Ein perfekter Reisetag… was ist das eigentlich?

Als ich den Aufruf von Sabine von Ferngeweht zur Blogparade gelesen habe, war die Antwort ganz schnell klar. Ich brauchte mich nicht einmal aufhalten, um mich zwischen zwei oder drei Reisetagen, die perfekt waren, zu entscheiden. Nein, es gibt eine ganz klare und eindeutige Antwort. Und nein, sie beinhaltet weder exotische Orte, grandiose Landschaften oder außergewöhnliche Ausflüge. Mein perfekter Reisetag ist „as simple as can be“.

Giro de Ombre & Genuss in Venedig

La Serenissima – für mich eine der wundervollsten Städte der Welt. Den stärksten Touristentrubel umgehend fahre ich am liebsten im November oder im März dorthin, wenn man ohne Jacke in der Sonne sitzen kann und sich nicht im Schneckentempo mit Massen an Menschen durch die engen Gassen schiebt.

Inzwischen war ich schon fünfmal in dieser schönen Stadt, und am liebsten wäre ich jedes Jahr  für ein Wochenende dort. Das hat sogar für mich selbst etwas zwiespältiges. Denn bestimmt habt ihr auch schon gehört, wie vehement die Venezianer inzwischen gegen die Massen an Touristen protestieren – zu Recht! Nichts ist schlimmer, als wenn sich gigantische Kreuzfahrtschiffe langsam am Markusplatz vorbeischieben, die alles in Venedig überragen. Zumindest das gehört bald der Vergangenheit an. Dennoch – schon in den off-season Monaten, in denen ich gerne hinfahre, sind es einfach verdammt viele Menschen. Und das sind nur ein Bruchteil jener, die in der Hauptsaison im Sommer und zur Karnevalszeit hier sind.

Und trotzdem kann ich auch nicht von der Stadt lassen. Deshalb möchte ich euch heute von meinem perfekten Reisetag in Venedig berichten – der so viel Feeling beinhält und so wenig Action. Denn für mich macht den Lieblingsplatz nicht ein tolles Museum oder beeindruckende Architektur aus – sondern der Moment, in dem ich irgendwo stehe, mich umsehe, tief einatme und mir sage

Ja, hier ist es wunderbar. Hier bin ich glücklich.

Ein Tag in Italien startet natürlich mit…

„Due cappuccini, un cornetto naturale e un cornetto cioccolato, per favore!“

Kaffee und Croissants, mehr braucht der Italiener nicht zum Frühstück. An örtliche Gepflogenheiten halten wir uns natürlich, und ich als süße Frühstückerin auch besonders gerne. Die kleine Bar um’s Eck tut es dafür völlig, ein kleiner Stehtisch perfektioniert das Italien-Feeling.

Wenn der erste Hunger gestillt ist und das miteinander-Reden nicht mehr ganz so schwer fällt, geht auch noch ein zweiter Cappuccino. Nirgendwo ist er so gut wie in diesem Land, ich weiß nicht woran das liegt. Und natürlich trinken wir ihn hier nur in der Früh, ab dem späten Vormittag halten wir es mit dem Espresso. So gehört sich das eben. 🙂

Picture by Pixelstar / Freeimages. Cappuccino Venedig, Wanderhunger

Am frühen Vormittag ist Venedig noch ruhig. Die wenigsten Touristen leisten sich eine Unterkunft direkt in der Lagune, obwohl das einfach genial ist. Es ist eben doch ein ganz anderes Gefühl, in der Früh auf die Straßen von Venedig hinauszugehen und sich nach dem ersten Kaffee umzusehen, als zuerst mit dem Zug von Mestre oder mit dem Boot vom Lido hereinfahren zu müssen.

Wir schlendern durch die leeren Gassen, kommen ins gemütliche Plaudern, schießen Fotos und genießen die ersten Sonnenstrahlen. Am Nachmittag wird es so warm werden, dass wir im T-Shirt herumlaufen können, während Zuhause an einen Tag ohne Jacke noch nicht zu denken ist.

Giro de Ombre

Es gibt in Venedig einen ganz wunderbaren Brauch, den wir sofort verinnerlicht haben: den Giro de Ombre. Ein „Giro“ ist ein Spaziergang, ein „Ombre“ eine bestimmte kleine Weinglasgröße.

Und damit könnt ihr euch bestimmt schon vorstellen, wie unser perfekter Tag in Venedig wohl aussieht…!

Bei einem Giro de Ombre spaziert man von Bar zu Bar, trinkt überall ein Gläschen, plaudert und isst dazu ein paar Cichetti, das sind kleine Snacks wie belegte Brötchen, Oliven oder eingelegte Sardinen. Man betrinkt sich natürlich nicht, sondern leistet sich nur einen höchst erfreulichen kleinen Damenspitz und sieht zu, dass man diesen möglichst lange mit ausgezeichnetem Wein aufrecht erhält und mit kleinen Köstlichkeiten perfekt ausbalanciert.

In Venedig mit Freunden in der Sonne stehen und Wein trinken. Wanderhunger, perfekter Reisetag.

Mein Giro de Ombre beginnt am Campo Erberia, dem Marktplatz nahe der Rialtobrücke, wo jeden Samstag auch der berühmte Fischmarkt von Venedig stattfindet. Für mich der ideale Ort, denn Märkte sind ohnehin das schönste an jeder Stadt.

Mit etwas Glück erwischen wir frische Austern und lassen sie uns gleich öffnen, um sie genüsslich zu schlürfen. Ein paar Erdbeeren für „to go“ gehen auch meistens mit. Ansonsten schlendere ich durch die Marktgassen an den Ständen vorbei und genieße die vielen Aromen, Farben und das geschäftige Treiben der Menschen um mich herum.

Frisches und getrocknetes Obst auf dem Markt am Campo Erberia in Venedig. Perfekter Reisetag. Wanderhunger Der wunderbare Markt auf dem Campo Erberia in Venedig. Perfekter Reisetag. Wanderhunger Frisches Obst auf dem Campo Erberia in Venedig. Perfekter Reisetag. Wanderhunger

Vorher und nachher stärkt man sich natürlich mit einem feinen Glaserl und ein paar leckeren Snacks.

In der Sonne leckere Cichetti genießen in Venedig. Wanderhunger

Auch ein kleiner Ausflug darf sein

Damit es nicht langweilig wird, setzen wir uns vergnügt und gestärkt am frühen Nachmittag in ein Boot und fahren zur Insel Burano. Sie ist bekannt für ihre feine Spitze, wobei nur noch die wenigsten Geschäfte die „echte“ venezianische Spitze verkaufen. So wie auf Murano, wo viel aus China kommt, ist es auch hier.

Das schöne an Burano sind allerdings nicht die Spitzendecken, sondern die knallbunten Häuser, die dank ihrer Farbenpracht weltberühmt geworden sind.
Und natürlich geht auch hier ein feines Aperol Spritzerl.

Ein Aperol Spritz in der Sonne mit Freunden in Venedig. Perfekter Reisetag. WanderhungerIch entdecke meinen Namen auf einem Geschäft in Burano. Wanderhunger. Abends in Burano, wenn nicht mehr viele Leute da sind und das Licht langsam dimm wird. Wanderhunger

Wenn es mit dem Boot anschließend wieder nach Venedig zurückgeht und man Glück mit Wetter und Timing hat, dann wird das Herz mit einem solchen Ausblick erfreut:

Venedig vom Boot aus gesehen im Sonnenuntergang. Perfekter Reisetag. Wanderhunger

Kann den Tag nun noch perfekter werden? Vielleicht noch mit dem krönende Abschluss in einem kleinen Lokal mit venezianischen Spezialitäten und einem erfrischenden Vino della Casa. Einfach wunderbar.

 

Und nun, da ich mir mit meinem Bericht über meinen perfekten Reisetag selbst richtig Lust gemacht habe, freue ich mich umso mehr, dass ich Ende Oktober wieder ein Wochenende in der schönen Lagunenstadt verbringen werde!

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7 Comments

  1. Ich sehe Venedig plötzlich mit ganz anderen Augen: Nächstes Mal muss ich mich auch durch die Stadt futtern 😉 Danke für den schönen Beitrag zu meiner Blogparade!

    • Martina Stasny Reply

      Vielen Dank für das tolle Thema 🙂 Es war schön, sicher wieder durch den Tag zu leben!
      Liebe Grüße,
      Martina

  2. Was für ein toller Tag in Venedig! Jetzt möchte ich direkt auch mal wieder in diese schöne Stadt. Und das nächste Mal muss ich unbedingt das “Giro de Ombré” probieren… damit ist ein perfekter Tag ja quasi garantiert 😉

    • Martina Stasny Reply

      Hallo Elisabeth, Venedig ist doch einfach immer wieder traumhaft, nicht wahr? 🙂 <3
      Und ja, ein Giro de Ombre ist auf jeden Fall ein Muss - die perfekte Kombi: Wein, Snacks & eine Traumstadt! 🙂
      Liebe Grüße, Martina

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