Man kommt nicht aus, sich zumindest damit zu beschäftigen: An jeder Ecke in touristischen Städten in Thailand gibt es Informations- und Buchungsstände für Ausflüge in der Umgebung. Jungel-Climbing-Experience? Kajakfahren? Bootsausflüge? Revue-Shows? Es ist alles dabei, für jedes Alter und jedes Interesse.

Schon vor meiner Abreise nach Phuket habe ich dank Tipps aus der Phuket 101 Community auf Facebook damit geliebäugelt, einen Elefantenpark zu besuchen. Elefantenreiten kommt bei mir gar nicht in die Tüte – es ist weithin bekannt, dass die armen Reittiere schrecklich behandelt werden. Also sind mein Mann Michael und ich in Patong zu einem der Booking-Offices gegangen und haben uns über den Besuch eines Elefantenparks informiert. Entschieden haben wir uns für den Elephant Retirement Park 9 Dee – eine richtig gute Idee, wie sich gleich am nächsten Tag herausgestellt hat. 🙂

Elephant Retirement Park 9 Dee, Phuket

Es ist 8:20 in der Früh als wir unser Hotel verlassen um uns noch ein Frühstück zu holen und dann auf den Minibus zu warten, der uns zum Elephant Park bringen soll. Überraschung – der Fahrer, der zwischen 8:30 und 8:45 da sein sollte, wartet bereits auf uns. Frühstück adé. Ein französisches Pärchen sitzt schon im Bus, ein amerikanisches Pärchen holen wir noch in Patong ab, dann düsen wir schon zu unserem Ziel. Ich bin erleichtert, dass sich das Frühstück nicht ausgegangen ist, der Fahrer fährt wie eine gesengte Sau. Aus dem Busfenster zu schauen ist eine echte Ansage an die Nerven, es geht links und rechts an Mopeds, Motorrädern, Autos, Bussen und LKWs vorbei. Hilfe, an den Verkehr und die Fahrweise hier bin ich wirklich nicht gewöhnt.

Wir kommen schließlich heil an unser Ziel und sind wohl alle froh, dass wir die Fahrt überlebt haben. Als wir aussteigen, stellt sich ein bisschen Dschungelfeeling ein. Es hat den Hauch von Jurassic Park, obwohl die Gebäude sehr einfach und jenseits von amerikanischem Styling sind.

Unsere Führerin Sunny begrüßt und sehr herzlich und heißt uns willkommen. Wir werden in die Anlagen eingeführt, können uns kostenlos Kaffee, Tee und Wasser nehmen und nehmen an einem riesigen Tisch Platz. Offenbar sind die Gruppen üblicherweise um einiges größer, zumindest dem Tisch nach. Umso mehr freue ich mich, dass hier wirklich nur 6 Personen sind und auch bleiben.

Einführung in den Tag durch unsere Tourguide Sunny, Elephant Retirement Park 9 Dee Phuket, Half Day Elephant Care Programm

Sunny erklärt uns, dass derzeit vier Elefanten im Retirement Park leben. Drei davon wurden aus Elefantenreiten-Angeboten und aus Shows gerettet. Die jüngste, Adel, ist erst drei Jahre alt und hat das Glück, dass sie nie schlechte Erfahrungen machen musste. Ihre Mutter ist allerdings immer noch ein Reitelefant, und der Park bemüht sich, sie als nächste in den Park holen zu können.

Wir lernen über die Vorgeschichte der Elefanten, über die nicht immer alles bekannt ist. Allen gemein ist aber, dass sie schlecht behandelt wurden. So werden in den Shows Haken an langen Stäben dazu benutzt, die Tiere in die gewünschte Richtung zu „führen“ – die Haken stecken dabei IN ihren Ohren. Diese Torturen gehen natürlich nicht ganz ohne Folgeschäden vorbei. So wackelt Elefantenbulle Phu Doi immer noch dauernd mit dem Kopf, weil er gelernt hat, dass er sich dem Haken so teilweise entziehen und den Schmerzen entgehen kann.
Außerdem erzählt Sunny uns über den Park an sich, wie groß er ist, und wie genau die Elefanten hier mit ihren Mahuts, den Elefantenführern, leben. Es hört sich alles sehr gut an, und wir freuen uns schon, endlich eines der Tiere zu Gesicht zu bekommen.

Bis zu den Ellbogen im Futter

Wir wandern ein paar Meter weiter, wo bereits Tische mit Schneidbrettern und Messern für uns vorbereitet sind. Sunny erklärt, wie die Ernährung der Tiere funktioniert, und dass sie zusätzliche Vitamine brauchen, die wir nun für sie in Form von „Vitamin Bombs“ zubereiten. So matschen wir uns durch Bananen mit Reis und Kräutern, lernen über die Wirkung aller Zutaten (jene der Bananen gegen „Darmprobleme“ habe ich am nächsten Tag gleich getestet) und formen tennisballgroße Vitaminbomben. Als nächstes bekommen wir Körbchen und klauben Bananen zum Füttern zusammen, außerdem schlagen wir Zuckerrohre in kleine Stückchen und fügen sie unseren Futterkörben hinzu. Schließlich bereiten wir noch das Anti-Insekten-Öl zu, mit dem wir die Elefanten später einreiben sollen.

Wir bereiten die Vitaminbomben für die Elefanten zu, Elephant Retirement Park 9 Dee, Phuket, Wanderhunger.

Nach etwa einer Stunde sind alle Vorbereitungen getroffen, und wir warten aufgeregt auf das Eintreffen der Tiere. Fernab von den Straßen ist es ruhig bis auf die Vögel, die rundherum im Wald singen.
Plötzlich lautes Trompeten. Die Elefanten rufen einander. Nun sind wir endgültig in Jurassic Park: Es klingt, also würde der T-Rex gleich das Feld stürmen.

Und da sind sie!

Drei Mahuts mit ihren Elefanten kommen den Hügel von ihrem Wohnquartier herab auf uns zu. Sunny stellt sie uns vor: Es sind das 3-jährige Baby Adel, die 4-jährige Nam Thip, die in einer Entertainment Show Hula-Hoop-tanzen musste und der 6-jährige Elefantenbulle Phu Doi.
Eigentlich sind sie alle recht klein – zumindest für das, was man sich unter einem Elefanten vorstellt. Aber das täuscht – die gewaltige Masse macht ganz schön Eindruck. Wir sind alle ein bisschen schüchtern anfangs, als wir beginnen, sie vorsichtig mit unseren Vitamin Bombs zu füttern und zu streicheln.

Schnell ist die erste Furcht vergessen. Die Tiere sind entzückend und gar nicht grob, vor allem aber gierig. Die weichen Vitaminbomben füttern wir ihnen direkt ins Maul, was am Anfang etwas Überwindung kostet. Uns allen gleich ist, dass wir schockverliebt sind und mit breiten Grinsern unsere Bananen und im Anschluss die Zuckerrohrstücke verteilen. Die kleine Adel zerdrückt ihre Bananen, weil sie die Schale noch nicht essen will, während Phu Doi sich gar nicht mit Kleinigkeiten aufhält, sondern uns gleich ganze Bananenstauden klauen will und sie mit Putz und Stängel verdrückt.

Nun, da unsere Futterkörbe leer sind, bekommen wir Massagestempel in die Hand gedrückt und massieren das warme, selbst zubereitete Anti-Insekten-Öl in die Haut unserer drei Elefanten ein. Die Tiere sind total entspannt und lassen sich alles in Ruhe gefallen. Da kommt man auch gleich ins Schwitzen! Und die „kleine“ Größe relativiert sich schnell, als ich feststelle, dass ich Phu Dois oberen Rücken nicht mal erreichen kann.  Bei Adel und Nam Thip gestaltet sich das um einiges einfacher. Wir sind mehr als hautnah an den Tieren dran, und es ist ein wunderbares Erlebnis, sie so nah spüren, erleben und fühlen zu dürfen.

Wir massieren selbstgemachtes Anti-Insekten-Öl in die Haut der Elefanten; Elephant Retirement Park 9 Dee, Phuket. Wanderhunger

Baden mit Elefanten

Es geht auf zum Highlight: zum Schlammbad! Unsere frisch aufgefüllten Futterkörbchen dienen dazu, dass uns Adel, Nam Thip und Phu Doi sehr willig und gemütlich den Hügel hinauf folgen, wo in einer riesigen Grube ein schlammiger Teich auf das Badeerlebnis wartet. Davor gibt es allerdings noch eine, im wahrsten Sinne des Wortes, große Überraschung: Oben erwartet uns Kham Muen, mit ihren 27 Jahren die älteste Elefantin im Park, hochträchtig und RIESIG! Ganz entspannt steht sie mit ihrem Mahut schon bereit für ihr Bad. Oh wow, wir waren schon beeindruckt von der Masse unserer drei „kleinen“ Elefanten, aber Kham Muen ist wirklich ein ganz anderes Kaliber. Wir lernen sie kennen, indem wir sie mit Bananen und Zuckerrohr füttern, die sie in ihrer Rüsselbeuge zu größeren Futterhaufen sammelt, bevor sie alles auf einmal genüsslich verdrückt.
Aber natürlich kommen währenddessen auch die anderen drei nicht zu kurz, wie hier Adel, die sich Bananen von Michael klaut.

Babyelefant Adel klaut sich Bananen aus dem Futterkörbchen. Elefant Retirement Park 9 Dee, Phuket. Wanderhunger

Hinter den Elefanten her wandern wir ins schlammige Wasser. Die vier fackeln nicht lange und tauchen mit Begeisterung völlig unter. Nix mit Rüssel heraußen zum Atmen und so! Von Phu Doi ist nur noch ein bisschen Rücken übrig, nachdem er sich ins Wasser fallen gelassen hat.

Natürlich wurden uns ein paar Sicherheitsinformationen gegeben, wie dass wir nicht auf der Beinseite der Elefanten stehen sollen, wenn sie im Wasser liegen, weil sie beim begeisterten Wuzeln austreten können. Also nichts, was nicht der Hausverstand sagt. Damit wir nicht scheu sind, werden wir von den Mahuts mit Wasser und Schlamm bespritzt – das bleibt natürlich nicht unerwidert. Aber die kurze Wasserschlacht konzentriert sich gleich auf die Elefanten, die wir mit schlammigem Gatsch von oben bis unten beschmieren, und die unsere Hinwendungen sichtlich genießen.

Wir reiben die Elefanten im Schlammbad mit Schlamm ein und bespritzen sie mit Wasser. Elephant Retirement Park 9 Dee, Phuket, Wanderhunger

Riesin Kham Muen wurde von ihrem Mahut ganz nach hinten in den Teich geführt, wo es tief genug ist für sie. Ich vermute aber auch, dass es aufgrund ihrer gewaltigen Größe ein bisschen zu gefährlich für uns ist, beim Baden und Schlammwuzeln in ihrer direkten Nähe zu sein. Erst, als sie wieder herausgeführt wird und im Wasser gemütlich herumsteht, können wir wieder zu ihr und auch sie abspritzen und abreiben.

Zum Waschen in die Riesendusche

Von oben bis unten schmutzig und nass wandern wir aus dem Teich hinter unseren Elefanten wieder hinaus und werden auf eine große, asphaltierte Plattform geführt, die komplett mit Wasserrohren überspannt ist. Frisches Wasser regnet auf uns herab, und wir bekommen Bürsten, mit denen wir nun die Elefantenhaut kräftig abschrubben. Was nun mit dem Insektenöl ist, sei dahingestellt… solange ich Elefantenkontakt habe, ist es mir ganz egal, ob das Öl vielleicht nur ein „Extra-Programmpunkt“ war, der nicht viel gebracht hat… 😉

Ich kümmere mich vor allem um die große Kham Muen, auch wenn meine Bürste gerade einmal bis zu ihrem Bauch reicht, der sich seitlich stark über ihrem noch ungeborenen Kalb nach außen wölbt. Ende Dezember wird sie es auf die Welt bringen und für einige Monate in „Mutterschutz“ gehen, in denen sie nur Mama sein darf und keinen Touristen aus der Nähe sieht. Michael und ich hoffen sehr, dass wir am Ende unseres Thailand-Aufenthalts im April 2019 das Baby sehen dürfen, wenn wir den Park nochmals besuchen!

Nach der ausgiebigen Dusch- und Schrubbsession endet unsere wunderbare Elephant-Care-Experience, und die vier Elefanten wandern gemütlich zurück zu ihrem Quartier, bevor am Nachmittag die nächste Touristengruppe kommt und das gesamte Programm wiederholt wird.

Ob es nun so elefantengerecht ist, dass täglich zwei Touristengruppen kommen, sei dahingestellt. Sicher ist, dass es ihnen hier unendlich viel besser geht, als in den Shows und dem Elefantentrekking, aus dem sie kommen. Und dass der Erhalt einer solchen Einrichtung ein Vermögen verschlingt, ist auch klar. Unser Geld ist hier auf jeden Fall ausgezeichnet angelegt – und, wenn ich im Namen der Tiere sprechen darf, ich bin mir sicher, es ist ihnen lieber, sie lassen sich zweimal täglich von Touristen abschrubben und füttern, als sie müssen mit Eisenhaken in den Ohren in Entertainment-Shows tanzen.

Mein Anruf an alle Thailand-Besucher: Bitte seht vom Elefantenreiten und von Shows, in denen Elefanten vorkommen, ab! Es gibt, dank den Retirement Parks, so viel schönere Wege, diese sanften grauen Riesen kennenzulernen!

Infos zum Elephant Retirement Park 9 Dee

Ort:
Insel Phuket, ca 1/2 Stunde Fahrt mit dem Auto von Patong Beach

Programm:
Half Day Elephant Care Experience
beinhaltet: Abholung und Rückfahrt vom/zum Hotel, Getränke (Wasser, Kaffee, Tee), 2,5 h Vorbereitung für und Zeit mit den Elefanten

Preis:
laut Website THB 2.600,–
Wir haben bei einem „Reisebüro“ pro Person THB 2.300,– bezahlt

Website/Kontakt:
http://www.elephantsretirement9deephuket.com
https://www.facebook.com/ElephantsRetirement9DeePhuket/

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