Die Stille hat ein Ende. Nach etwa drei Wochen Blog- und Social-Media-Abstinenz arbeite ich mich wieder zurück ins Blogger-Geschehen. In meinem Content-Plan prangt eine fette Lücke, geplante Beiträge habe ich nach hinten verschoben oder von der Liste gestrichen. Auf Facebook habe ich mich von vorneherein für die Abwesenheit entschuldigt, Instagram habe ich einfach liegengelassen, denn das Einzige, das ich dort posten hätte können, wäre ein neues Sonnenuntergangsfoto jeden Tag. Haut ja auch keinen vom Hocker.

Während des Stresses mit Umziehen, Ausziehen und Ausräumen ist ein schöner Sonnenuntergang ein Moment zum Durchatmen. Wanderhunger

Aber was war eigentlich los?

Vom Ausziehen und Umziehen und Wegziehen

Wie ich bereits am Blog angekündigt habe, ziehen mein Mann und ich nach Thailand. Für ihn geht das Abenteuer schon Ende September los, für mich erst zwei Monate später. Nun bin ich aber zwei Monate alleine, deshalb habe ich beschlossen, unsere recht große Wohnung nicht alleine zu bewohnen, sondern lieber ins nahegelegene Elternhaus zu ziehen und meinen Vater mit meiner Anwesenheit zu beglücken.

An alle, die jetzt gerade ungläubig die Augen aufreißen und sich denken: „Waaas, sie ist Mitte 30 und zieht zum Papa?“:
Es ist ein großes Haus.

An dieser Stelle übrigens ein großes und fettes Dankeschön an meinen lieben Dad, der mitten im Chaos (mehr dazu gleich) die Tochter, für kurze Zeit den Schwiegersohn und einen großen, sehr haarigen Hund völlig selbstverständlich aufgenommen hat.

Und was war jetzt eigentlich los?

Also. Wir haben unsere Wohnung gekündigt. 100 m2 voller Möbel und Sachen. Ausgelaufen ist der Mietvertrag Ende September, aber in der letzten Septemberwoche sind Michael und ich bereits auf Phuket. Er zum Bleiben und ich für eine Woche Urlaub. Also mussten wir bereits Mitte September draußen sein, gleichzeitig aber so spät wie möglich in meinem Elternhaus, um meinen Dad zumindest so spät wie möglich mit unserer Anwesenheit zu erfreuen.

Wir haben beschlossen, alles aufzugeben und uns nur die allerwichtigsten, engsten und liebsten persönlichen Sachen zu behalten. Das Gute daran: Durch den Verkauf vieler Sachen mussten wir deutlich weniger schleppen und packen. Das Mühsame: Die Organisation der Verkäufe auf Verkaufsplattformen im Internet nimmt WIRKLICH viel Zeit in Anspruch, das habe ich unterschätzt.

Nun gut, ist halt ein Umzug bzw. Auszug, das ist mühsam, aber noch nicht aufregend.

Weiter geht’s:
Wasserschadem im elternhäuslichen Keller. Und zwar in jenem Raum, der der größte da unten ist und am meisten Zeug gespeichert hat. Mein Vater hat, unfassbar fleißig, den größten Teil gestemmt, ausgeräumt, gerettet was in Wassernähe zu retten war, weggeworfen und raufgetragen.
Wir haben uns bemüht ihn dabei zu unterstützen und mitzuhelfen. Ich habe insgesamt geschätzt 100 Kilogramm Kinderbücher und alte Schulsachen hergeschenkt bzw. entsorgt. Übrigens habe ich im Zuge dessen festgestellt, dass ich nicht mal mehr die Matheaufgaben aus der 3. Klasse Gymnasium (7. Schulstufe) lösen könnte.

Und damit es herausfordernd bleibt:
Die Küche im Haus und der Vorraum, ebenfalls vollgestopft mit Küchensachen, war schon lange Chaos. Also haben wir in einem zweitägigen Marathon auch hier alles ausgeräumt, aussortiert, nur die besseren Sachen behalten und alles andere verkauft, verschenkt und an die Caritas gespendet. Nicht mal der größte Haushalt brauch 6 vollständige Geschirrsets, 4 Fondue-Sets und 18 Kochtöpfe.

Das alles hat sich übrigens in einem Zeitraum von gut zwei Wochen abgespielt. Man will sich ja nicht langweilen.

Und zum guten Schluss, als ich mit meinen Kräften wirklich langsam am Ende war, hat sich mein Hund einen Bandscheibenvorfall zugelegt. Oh happy day!

Mein Weißer Schweizer Schäferhund Rocco hatte einen bandscheibenvorfall. Wanderhunger

 

So, vielen Dank, dass ich euch jetzt über viele Zeilen hinweg ansudern durfte. Manchmal tut das einfach gut.

Über die Kunst des Loslassens und Hergebens

Um euch noch einen Grund zu liefern, warum dieser Artikel eigentlich existiert, abgesehen davon, dass ich euch anjammern kann, möchte ich euch über das Loslassen von Dingen berichten.

Habt ihr auch immer öfter das Gefühl, dass wir einfach zuviel besitzen? Das ist ja generell der Trend der Zeit: die Reduktion auf das Wesentliche. Ich bin eine totale Ausräumerin. Mit Sammeln habe ich es so gar nicht. Ich trenne mich von Dingen wirklich leicht und schnell (übrigens zur Angst meines Dads. Ich glaube, wenn er mich in Ausräumstimmung sieht, bangt er immer um seine bare Existenz). Das ist das wirklich Gute daran, wenn man nicht nur umzieht, sondern wegzieht mit dem Entschluss, nichts einzulagern, sondern möglichst alles aufzugeben.

Ich habe festgestellt, es gibt

4 Stufen des Weggebens

Stufe 1: Das ist noch super in Schuss, das geben wir nicht her. Das kann man doch immer brauchen. Ja, gib es in eine Kiste, das nehmen wir mit. Und nein, davon kann ich mich auch nicht trennen. Irgendein Platz wird sich schon finden.

Stufe 2: Nein, das brauchen wir eigentlich nicht unbedingt, und das haben wir doppelt. Aber wegwerfen geht nicht, das ist super in Ordnung. Wir stellen es auf Willhaben und verkaufen es.

Stufe 3: Gib es in die Box für die Caritas. Ich habe keinen Bock mehr, es zu verkaufen. Mir doch egal, ob wir etwas dafür bekommen könnten. Schenken wir es her, und basta.

Stufe 4: Wirf es weg, schmeiß es beim Fenster raus, zünde es an, MIR VÖLLIG EGAL, ICH WILL NICHTS MEHR SEHEN!

Les Pièces de Réstistance

Im Zuge des Ausräumwahns lernt man viel. Auch über sich selbst. So bin ich schwer deprimiert vor meinem Bücherregal am Boden gesessen (2 Regale voller „Best of“ Bücher, die mich überall hin begleitet haben, und die ich vielfach gelesen habe). Bücher um Bücher um Bücher. Und zwar keine 180-seitigen Hefterl, sondern Romanboliden mit 600 Seiten aufwärts. Ich mag keine dünnen Bücher – die sind vorbei, wenn man gerade erst in die Geschichte reinkommt.

Und da stehen sie nun. Bücher, mit denen ich tausende Stunden schönster Lesezeit verbracht habe. „Das Lächeln der Fortuna“ von Rebecca Gablé: über 10-mal gelesen. Die 11-teilige Fantasy-Romanserie „Sword of Truth“: 4-mal gelesen. „Heinrich der 8.“: 6-mal gelesen. Die Highland-Saga von Diana Gabaldon: so oft gelesen, dass die Seiten aus den Büchern fallen und sie deshalb großteils schon mit Bändern zugeschnürt sind.

Von den besten Büchern und Lieblingsbüchern kann ich mich nicht trennen. Wanderhunger

Ein Drama in mehreren Akten.

Ich mache es kurz: Ich habe mir einen e-Book-Reader zugelegt und plane, mir meine Buchlieblinge in Form von e-Books darauf zu laden, damit ich sie auch zukünftig immer bei mir habe.
Nein, es ist nicht dasselbe. Niemals wird ein e-Book auch nur annähernd mit vielgelesenen Romanseiten aus Papier mithalten können. Aber wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, geht es wirklich gut. Und der Gedanke, dass mein 250g-kleiner Reader bereits jetzt ungefähr 40 Kilogramm Bücherboliden beinhaltet, ist schon irgendwie genial.

Es hat ein paar Tage gedauert, dann war ich fähig, den Großteil dieser Bücher in eine Kiste zu verpacken und herzuschenken. Genauso wie alle DVDs und Bluerays. In mein Elternhaus geschafft hat es alles von Diana Gabaldon, Rebecca Gablé, Tolkien und Terry Goodkind, meine geliebten französischen Filme und meine Herr der Ringe „Extended Edition“ DVD Trilogie. Ich glaube, mit letzterer werde ich mich eines Tages auch begraben lassen.

Das Regal mit den vor dem Ausräumen geretteten Lieblingsbüchern. Wanderhunger

Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende.

Die Devise des Aussortierens lautet: Durchhalten. Denn danach fühlt man sich wirklich befreit.

Bestimmt kennt ihr alle den Tipp, Dinge, die man nicht mehr braucht, von denen man sich aber nicht trennen kann, in eine Kiste zu verpacken, diese irgendwo in den Keller zu stellen und ein Jahr nicht mehr anzusehen. Wenn man im Laufe dieses Jahres kein einziges Mal etwas aus der Kiste benötigt hat, dann weg mit dem ganzen Ding. Und am besten auch nicht mehr reinschauen, sonst geht es von vorne los.
Das funktioniert wirklich. Ich habe es auch schon selbst praktiziert.

Die Belohnung zum Schluss: Man fühlt sich so erleichtert. Erleichtert von Dingen, von Besitztümern, von Ballast, von Klumpert. Ein paar leere Regalfächer tun einfach gut, sie füllen sich ohnehin viel zu schnell wieder.

 

Ein letzter Tipp von mir für die beginnenden Ausräumwilligen: beginnt mit dem Badezimmer! Es ist kaum zu glauben, was sich dort an Mittelchen ansammelt, die man nie benutzt.

 

Wie geht es euch mit dem Ausräumen und der Trennung von Besitztümern? Seid ihr eher die Sammler- oder die Weggeber-Typen? Ich bin da sehr gespannt 🙂

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