Ich bin eine bekennende Frankreich-Liebhaberin. Ich liebe das Land, die Menschen, die Sprache, den Stil und das Essen. Dank meiner (inzwischen deutlich erschlafften) Französisch-Kenntnisse bin ich zum Glück auch nie in den zweifelhaften Genuss der berühmten französischen Arroganz gekommen.
Dass meine Freundin Steph und ich Straßburg für unser Mädels-Wochenende ausgewählt haben, war allerdings eher ein reiner Zufall. Finger blind auf die Landkarte sozusagen. Noch dazu mag Steph Frankreich eigentlich nicht besonders. Zum Glück hat sie sich aber rasch überzeugen lassen (von Erstidee zur Buchung weniger als 30 Minuten).

Ab also nach Straßburg, einer Stadt, der wir beide bisher keinerlei Beachtung geschenkt haben. Total unberechtigterweise, wie sich sogar im Nieselregen des ersten Nachmittags herausgestellt hat. Diese Stadt ist ein Juwel und verdient euren Städtetrip total und in jeder Hinsicht! Um euch Lust drauf zu machen findet ihr hier meine besten Tipps für ein Wochenende in Straßburg.

#1: Das Straßburger Münster

Die Nummer 1 unter den Tipps für ein Wochenende in Straßburg: Die Kathedrale Notre Dame de Strasbourg ist klar das erste Anlaufziel. Das liegt nicht nur an ihrer zentralen Lage, sondern auch an ihrem Turm, der mit einer Höhe von 142 Metern von überall zu sehen ist. Hingehen und beeindrucken lassen. Die gotische Pracht lässt einem das Kinn gleich mal auf den Boden klappen.

Im Inneren waren wir nur einmal kurz abends. Lange Schlangen von Menschen warten auf die Besichtigung der berühmten Astronomischen Uhr (die wir nicht gesehen haben) und auf die Besteigung des unvollendeten Südturms. Deshalb solltet ihr diese Attraktionen entweder früh am Morgen oder am späteren Nachmittag einplanen, wenn die Wartezeit nur kurz ist oder es gar keine Schlange mehr gibt. Auf den Turm auf jeden Fall steigen, die Aussicht über die Stadt ist grandios. Nicht schwindelfreie Menschen (wie ich) seien gewarnt: Die Mauern um die Wendeltreppe öffnen sich in jeder Runde sehr luftig. Mit Dori`s Motto “Einfach schwimmen, einfach schwimmen” bin ich gut rauf und wieder runtergekommen. Das Adrenalin musste ich danach aber dennoch in einem Aperol Spritz ertränken.

Wir hatten das große Glück, zufällig zur Zeit der stadtweiten Ausstellung L’Industrie Magnifique in Straßburg zu sein. In deren Rahmen waren über die ganze Stadt verteilt Kunstwerke zu sehen. Am beeindruckendsten? “Mammuthus Volantes” auf der Südseite der Kathedrale. Seht euch mal das Video davon an!

Nordturm der Kathedrale Notre Dame de Strasbourg, Münster, Strassburg, Wanderhunger

#2: La Petite France

Dieses Viertel ist das Schmuckstück von Straßburg und berühmt dank der wunderschönen Fachwerkhäuser. Ab dem Mittelalter lebten und arbeiteten hier die Gerber, und noch bis in die 50er Jahre war es das “Scherbenviertel” der Stadt. Nun ist es die Hauptattraktion und wirklich wert, dass man sich Zeit nimmt und durch die Gassen streift. Unzählige Bars, Cafés, Restaurants und Geschäfte warten darauf, entdeckt zu werden.

Fachwerkhäuser am Kanal der Ill in Strassburg, La Petite France, Wanderhunger

#3: Barrage Vauban

Das Barrage Vauban wurde als Wehr angelegt und sollte die Stadt schützen. Es war sogar möglich, den Fluss abzusperren und so die Stadt im Notfall zu sichern. Optisch ist es ein, meiner Meinung nach, nur mäßig attraktiver Anziehungspunkt für Touristen. ABER! Es mag optisch nicht völlig von den Socken reißen, die Aussicht von der Terrasse auf dem Dach jedoch ist einfach fantastisch. Richtung La Petite France hat man den perfekten Blick auf die Ponts Couverts und die Kanäle der Ill. Mein Rat: Abends kommen, und das schöne warme Licht für perfekte Fotos nützen.

Die Barrage Vauban im Abendlicht im Strassburg, Wanderhunger, Tipps für ein Wochenende in Straßburg

Blick auf die Ponts Couverts von der Barrage Vauban, Strassburg, Wanderhunger
Blick auf die Ponts Couverts

#4: Entdeckt die schönen Plätze der Stadt

Straßburg bietet ganz viele tolle kleine und größere Plätze, die mit Cafés, Restaurants und Sitzgelegenheiten aufwarten. Wenn man sich treiben lässt und manchmal auch von den ausgetretenen Pfaden abweicht, wird man einen nach dem anderen entdecken. Meine Favoriten? Der Place du Marché Gayot mit seinen chilligen Bars und der Place St. Étienne, der unter der Woche mit fröhlichem Studentenfeeling aufwartet.

Schöner Platz in Strassburg mit Kunstwerk von L'Industrie Magnifique, Wanderhunger

#5: Essen, essen, essen!

Nicht umsonst bezieht sich der Spruch “Leben wie Gott in Frankreich” auf das Essen. Zugegeben, wer kein Vegetarier und auch Spezialitäten nicht abgeneigt ist, tut sich hier leichter. Meine Freundin Steph allerdings hat das Wochenende auch als Vegetarierin ausgezeichnet überstanden.

Straßburg liebt deftiges Essen. Das berühmte Choucroute ist bergeweise Fleisch und Sauerkraut. Auch nicht ganz mein Geschmack, wie ich zugeben muss. Die Flammkuchen allerdings könnte ich mir zu allen Hauptmahlzeiten geben, und zum Glück gibt es sie an jedem Eck. Ebenfalls eine typische Spezialität ist Stopfleber. So moralisch unterirdisch diese Speise auch ist, ich gebe blutschwitzend zu: ICH LIEBE SIE! Zumindest einmal musste ich sie dort bestellen, und ich habe jedes Krümelchen genossen. Ja, es tut mir leid. ABER SIE IST SO GUT!
Weinbergschnecken dagegen bereiten den meisten Menschen weniger ethische als eher ekelerregend Probleme. Ich finde sie übrigens grandios. 😉

Zum Glück sind Geschmäcker verschieden, und auch zum Glück ist Straßburg essenstechnisch eine sehr offene Stadt. Sushi, vegane Burger, Inder, Vietnamesen – wer keine Lust auf französisches Essen hat hat hier dennoch die Qual der Wahl!

Flammkuchen essen in Strassburg, Wanderhunger

#6: Schokoladetiger aufgepasst

Süchtig nach Schokolade wie ich? Dann seid ihr in Straßburg richtig. In der Stadt gibt es einige berühmte Chocolatiers, deren Geschäfte und Cafés der feuchte Traum aller Chocoholics sind. So kann man bei Christian nicht nur wunderbare und schöne Törtchen genießen, sondern auch ein richtig gutes Eis. Der Schokoladebrunnen von Jacques Bockel und seine große Auswahl feinster Schokotäfelchen sprengt endgültig das Kalorienkonto. Der sündige Genuss ist definitiv ein Highlight meiner Tipps für ein Wochenende in Straßburg!

Auslage von Chocolatier Christian in Strassburg, Patisserie, Wanderhunger

#7: Abendstimmung und Morgenröte

Ist noch jemand ein erklärter Feind von Mittags-Sonnenlicht? Nein, keine Sorge, Sonnenstrahlen genießen und einen Drink schlürfen, da bin ich dabei. 🙂 Aber zum Fotografieren ist das harte Sonnenlicht einfach gar keine gute Idee. Umso schöner, wenn sich der Tag langsam dem Ende zuneigt und das warme Abendlicht alles in eine herrliche Stimmung taucht.
Straßburg spielt lichttechnisch wirklich alle Stückchen. Wenn die berühmte L’Heure Bleue nach dem Sonnenuntergang beginnt, dann ist der Anblick der Fachwerkhäuser und der Kanäle wirklich magisch.

Weniger beliebt aber mindestens genauso schön ist das Licht des Sonnenaufgangs. Ich schaffe es in meinen Urlauben immer öfter, mich vor dem Sonnenaufgang aufzuraffen und diese fantastische Stimmung für schöne Fotos auszunützen. Danach empfehle ich aber noch ein Nickerchen, sonst wird es schwierig einen Tag voller Sightseeing anständig zu überleben.
Noch ein klarer Vorteil der Frühaufsteher: Zu dieser Zeit sind noch keine Menschen unterwegs, und die sonst so überlaufenen Sehenswürdigkeiten gehören alleine mir!

Fachwerkhäuser entlang der Ill in Strassburg im Sonnenuntergang, Wanderhunger
Fachwerkhäuser an der Ill während der L’Heure Bleue
La Petite France im Sonnenaufgang, Strassburg, Wanderhunger
La Petite France im Morgenlicht

#8: Eine Bootsfahrt, die ist lustig

Eines fällt einem in Straßburg schnell auf: die vielen, flachen Ausflugsboote, die auf der Ill verkehren. Überall werden die Bootstrips von Batorama angepriesen. Aber zahlt sich die Tour wirklich aus?

Gleich mal fällt uns auf: Steph und ich reißen mit unseren Mitte 30 den Altersdurchschnitt weit nach unten. Wir reihen uns hinter mindestens zwei Reisebus-Menschenmengen an Pensionisten ein, um auf unser Boot zu kommen. Als es losgeht stellen wir fest: Das wird eine gemütliche Partie. Das Boot gurkt langsamer als mit Schrittgeschwindigkeit durch die Ill.
Wir haben die große Tour gebucht, also einmal rund um die Altstadt und raus zum Europaviertel. Per Kopfhörer erfahren wir nicht nur alles über die vorbeiziehenden Sehenswürdigkeiten, sondern auch allerhand Geschichtliches. Die Hintergrundmusik ist angenehm, aber während der 1:10-stündigen Fahrt einschläfernd. Besonders die Fahrt zum Europaviertel zieht sich schon ganz schön. Vorteil: Wir sehen das Europaparlament, das wir sonst ausgelassen hätten. Nachteil: Nach dem Ausflug brauchen wir zwei doppelte Espresso, um wieder wach zu werden (vielleicht war auch ein Aperol Spritz dabei…).

Meine Empfehlung: Die Tour ist eine nette Sache, ersetzt aber nicht den fußläufigen Stadtrundgang. Durch La Petite France zu fahren ist ein Highlight, der Rest eher okay. 9 Euro für die kleine Tour ohne das Europaviertel zahlen sich aber auf jeden Fall aus.

Bootsfahrt auf der Ill durch Strassburg mit Batorama, Wanderhunger

 

Abschließend möchte ich sagen: eine geniale Stadt, die jedem etwas bietet. Ich hoffe, meine Tipps für ein Wochenende in Straßburg haben euch reiselustig gemacht! 🙂 Ob Familien, Pärchen oder Freunde, da ist immer was dabei. Party machen? Check! Gut essen? Check! Shopping ohne Ende? Check! Einfach cool. Vive Strasbourg!

 

Übrigens habe ich wieder eine coole neue Reise-App für euch, und zwar Splitwise. Danke an Steph für den Tipp! Damit kann man ganz einfach Reisekosten in der Gruppe im Auge behalten. Hier findet ihr den genauen Review dazu!

 

 

 

Write A Comment