Wenn ich unterwegs bin, egal ob gerade zuhause oder auf Reisen, und ich habe eine Idee für einen Blogbeitrag, dann schreibe ich ihn immer ganz rasch in eine Notiz in mein Handy, denn sonst habe ich das Thema ganz rasch wieder vergessen. Derzeit ist meine Liste lang, weil ich gerade drei tolle Wochen in Laos verbracht habe, außerdem steht ein Eissalon-Test in Wien am Programm, der jedoch derzeit wegen Kälte „on hold“ ist (leider nicht wegen der Kälte der Eiscreme, sondern der grauenhaften Außentemperatur).

Was schon lange auf Top 1 meiner Blogbeitrags-Liste ist, ist „Thailand – wie es mich verändert hat“. Das absolut perfekte Timing für mich hatte daher Sabine vom Reiseblog Ferngeweht mit ihrer Blogparade „Reisen verändert“. Dort findet ihr übrigens auch die vielen Beiträge anderer Reiseblogger zu dieser tollen Materie.

Meine Zeit in Thailand – und wie sie mich verändert hat

Knappe sechs Monate Phuket liegen nun hinter mir, und damit meine Ausbildung zuerst zum Divemaster und anschließend zum Dive Instructor mit nachfolgendem „Learn to teach“-Internship. Eine Zeit, die mir emotional und körperlich immer wieder einiges abverlangt und mich durch Tiefen und Höhen geführt hat. Ich habe viele Menschen am Weg kennengelernt, habe auch welche verloren (nein, nicht im Ozean…!), habe gelernt und mich weiterentwickelt – und stehe nun hier wie ein eigentlich ganz neuer Mensch. Soviel hat sich verändert, so viel ist auch gleichgeblieben und fühlt sich neu an – und alles das im besten positiven Sinne.

Ich werde versuchen, das jetzt in etwas verständlichere Worte zu gießen.

 

Ich habe gelernt, von heute auf morgen leben zu können.

Ich bin eine Planerin. Ich würde gerne schreiben „Ich war eine Planerin“, aber Planung finde ich gut. Eigentlich nicht nur gut, sondern geil. Ich kann Stunden damit verbringen, Dinge zu planen. Die Speisen für die kommende Woche, Treffen mit Freunden, Bruncheinladungen, natürlich Reisen und „What to see’s“, die Familienweihnachtsfeier in 10 Monaten. Ich kann sogar völlig absurde oder nicht zutreffende Dinge planen. So verbringe ich die beste Zeit in Tagträumen, in denen ich mir eine 150-Quadratmeter-Penthousewohnung im Detail einrichte, die ich mir im Leben nie leisten können werde, außer ich heirate einen Millionär oder gewinne doch noch im Lotto.

Kurzum: Ich liebe es zu planen.

Damit kann ich auch bestens leben. Mühsamer wird es, wenn ich mich nicht mehr wohlfühle, wenn ich nicht planen kann. Und so ging es mir im Laufe des Dezembers in meiner Divemaster-Ausbildung. Ich habe mir nämlich so etwas wie einen Lehrplan erwartet. Oder zumindest Wochenvorschauen, wie „Montag: Skilltraining im Pool und Theorie, Dienstag: Tauchboot, einem Tauchlehrer assistieren“ etc. Dem war nicht so. Nämlich gar nicht. Und das lag auch gar nicht an meinem Instructor, sondern daran, dass das in Tauchschulen auf Phuket einfach nicht so läuft. Das Hauptgeschäft wird mit Walk-Ins gemacht, also Menschen, die an der Tauchschule vorbeilaufen, spontan reinkommen und einen Tauchkurs für den nächsten Tag buchen. Es geht also auch allen Tauchlehrern dort so: Man erfährt bis 17 Uhr, manchmal aber auch erst bis 21 Uhr, ob am nächsten Tag ein Kurs startet, ob man eine Gruppe zertifizierte Taucher führt oder ob gar nichts ansteht und der Tag frei ist.

 

Das war ganz schön schwierig für mich. Und ich habe einen ganzen Monat gebraucht um die benötigte Gelassenheit zu erlangen. Es hat mich teilweise wahnsinnig gemacht, dass ich nicht wusste, ob ich die nächsten zwei Tage frei habe, am Tauchboot arbeite oder selbst Kurs habe.

Aber langsam, sehr langsam wurde es mir Stückchen für Stückchen gleichgültiger. Ich habe es nicht mal richtig bemerkt, wie sich meine Haltung zu spontaner Tagesgestaltung verändert. Erst eines Tages, viel später, war es mir plötzlich bewusst, als ich gefragt wurde, was am nächsten Tag ansteht. Ich habe geantwortet: „Ich habe keine Ahnung, ich habe noch keine Info bekommen“ – und es war mir völlig egal, dass ich es nicht wusste. Da war kein Stress mehr, kein Unwohlsein deswegen – sondern nur noch Entspannung, weil es einfach nicht wichtig war. Vielleicht Tauchboot, vielleicht ein beginnender Kurs, vielleicht ein freier Tag und dann gerne an den Strand zur Entspannung – was auch immer, es war gut.

Reisen verändert vieles. Sechs Monate in Thailand haben mich gelehrt, weniger zu planen und vieles einfach herankommen zu lassen.

 

Ich habe ein ganz neues Körpergefühl.

Den größten Teil meines Lebens war ich auf Diät. Wenn ich nicht auf Diät war, dann habe ich zumindest versucht, eine neue Diät zu beginnen. Das Gefühl zu dick zu sein (obwohl ich es zumindest die meiste Zeit davon eigentlich nicht war), eine zwanghafte Beschäftigung mit Essen und eine gewisse Feindschaft zwischen meinem Körper und mir – das hat mich begleitet seit ich etwa 13 Jahre alt war.

Als ich Ende November in Thailand angekommen bin, war das der Stand der Dinge. Ich war weit entfernt von meinem Idealgewicht, auch objektiv betrachtet moppelig, natürlich mit winterweißer Haut, und meine letzte Sporteinheit war lange her. Ich habe mich einfach nur unwohl gefühlt, also wie sonst meistens auch, nur verstärkt durch den Umstand, dass man sich bei 35 Grad Außentemperatur nicht in Jeans und Pullovern verstecken kann.

Aber: Ich bin nicht auf Diät gegangen. Ich habe schwer gehofft, dass Thailand und sein wunderbares Essen sein Übriges tun würde. Dazu kam natürlich, dass ich aufgrund der Tauchausbildung plötzlich beinahe jeden Tag körperlich aktiv war. Außerdem wurde ich langsam schön braun, dank der vielen täglichen Sonnenstunden im Alltag und auf dem Tauchboot. Es ist ja auch einfach so – braungebrannt sieht man immer besser und schlanker aus als weiß.

Mit der Erkenntnis verhielt es sich ähnlich wie bei meinem Planungszwang: Sie wurde nicht langsam mehr, sondern war eines Tages auf einmal da. Meine Kleidung war zu groß, ich konnte mich ohne Augenzukneifen im Spiegel betrachten, und mir gefiel, was ich gesehen habe. Und ich hatte plötzlich eine ganz neue Einstellung, von der ich vorher nicht einmal etwas geahnt hatte:Ich war meinem Körper und seiner Stärke dankbar. Endlich weiß ich, was ich dank meines Körpers zu leisten imstande bin – nämlich jeden Tag mehrere Tauchgänge zu absolvieren und mit einer 20-Kilo-Ausrüstung am Rücken problemlos über das Tauchboot zu gehen oder die Leiter aus dem Wasser heraus emporzuklettern und dabei noch eine kleine Chinesin an der Tauchflasche hochzudrücken. Oder gegen wirklich harte Strömungen anzutauchen und dabei einen Tauchschüler mitzuziehen, der abgetrieben wurde.
Ich weiß jetzt, was ich körperlich leisten kann, und ich bin stolz darauf.

 

Und was auch schön ist: In meinem Laos-Urlaub war ich körperlich ganz schön faul und habe viel gegessen und so natürlich wieder einige Kilos zugelegt. Aber ich fühle mich nicht mehr schlecht deswegen, oder zumindest bei weitem nicht so schlecht wie früher immer. Denn ich weiß ja, dass mein nächster Job als Tauchlehrerin bald startet, und dass die Pölsterchen dann ganz rasch wieder verschwinden werden.

Dieses persönliche Wohlbefinden hat mir eine echte Last von der Seele genommen.

Sechs Monate in Thailand als Tauchlehrerin haben mir ein ganz neues Körpergefühl gegeben. Reisen verändert. Wanderhunger

 

Ich weiß, was ich alles nicht brauche.

Über das Loslassen und Weggeben von Dingen habe ich bereits einmal einen Blogbeitrag geschrieben. Das war, als ich in Vorbereitung fürThailand meine Wohnung aufgegeben habe und somit schon richtig viel Zeug loswerden musste. Auf ein ganz anderes Niveau wird dieses Thema allerdings gehoben, wenn es wirklich darum geht, mit so wenigen Sachen wie möglich in ein Flugzeug zu steigen und sich in einem neuen Land einzurichten.

Ich bin mit zwei Koffern mit persönlichen Dingen in Thailand angekommen, plus nochmals einem für meine Tauchausrüstung. Einer der persönlichen Koffer war – wie sich dann eigentlich rasch herausgestellt hat – völlig unnötig. Zuviele Dinge, die niemand braucht, zuviel von „Was wäre wenn’s“ und Vorratspackungen. Dieser Koffer ist beinahe unangetastet wieder in die Heimat gegangen.

Ich hatte ja auch den großen Vorteil, dass ich in ein heißes Land als Tauchlehrerin gegangen bin. Das bedeutet, dass die benötigte Stoffmenge sehr gering ist und ich in keinem chicen Büro jeden Tag ein anderes Outfit tragen musste. Weiter ging es mit dem dem Makeup. Ich hatte mein komplettes Schminkzeug dabei – und war im Laufe des Aufenthalts vielleicht insgesamt achtmal geschminkt. Und dann nur mit dem Allernötigsten, denn: Es rinnt dir ja innerhalb kürzester Zeit aufgrund der Temperaturen sowieso alles wieder vom Gesicht.

Und so weiß ich jetzt, dass es sich mit EINEM Koffer voller persönlicher Dinge bestens leben lässt. Kein Land ist ja außerdem heutzutage „aus der Welt“. Wenn wir im Ausland etwas benötigen, dann kaufen wir es dort eben. Das hat den großen Vorteil, dass ich nicht auf Verdacht etwas mitschleppe, dass ich dann vermutlich gar nicht brauche, sondern ich lege es mir zu, wenn tatsächlich der Bedarf besteht.

Light living is easy living.

 

Ich habe gelernt, meine Heimat richtig zu schätzen.

Österreich und Europa – ja das war immer meine Heimat. Aber ich habe mein Heimatland nie mit echtem patriotischen Heimatgefühl verbunden. Im Sinne von rechtsgerichtetem Patriotismus, den unsere bedauerliche Politik derzeit spielt, ist mir das auch noch immer fern, aber:

Ich weiß jetzt, was ich an Österreich und an Europa habe. Ich liebe die Tiefe der Historie, die in uns allen beinahe genetisch verankert ist. Ich liebe die vielen fantastischen Städte und Orte mit ihrer Schönheit und spannenden Vergangenheit. Ich liebe die Möglichkeit, günstig und rasch in verschiedenste Länder reisen zu können, die auf der Bucket List von jedem Amerikaner und Australier stehen. Ich schätze die Sauberkeit, die öffentlichen Verkehrsmittel, unsere Pünktlichkeit und die Ruhe, denn verglichen mit Thailand ist es bei uns sogar neben einer vierspurigen Straße ruhig. Ich bin dankbar dafür, in ein Land mit derart hohen Lebensstandards und Wohlstands-Niveaus hineingeboren zu sein, und dankbar für die Möglichkeit, in jedem Supermarkt um’s Eck Bio-Eier und Lebensmittel in höchster Qualität kaufen zu können.

Keine Frage, natürlich bin ich nach wie vor gerne in Asien oder in anderen Ländern, in denen es „anders“ zugeht als bei uns. Aber meine Wertschätzung gegenüber meiner Heimat ist enorm gestiegen – und auch meine Liebe zu ihr.

 

 

Ich bin dankbar für meine Freunde – mehr als je zuvor!

Ich weiß sehr wohl, was ich an meinen Freunden habe. Meine Dankbarkeit ist unendlich, dass es so viele Menschen gibt, die mich tatsächlich aushalten und lieben, eine sicherlich gelegentlich anstrengende Sache 😀

Aber nach einem halben Jahr zu Hause anzukommen und zu spüren, wie sich alle auf mich freuen und hören wollen, wie es mir geht und was ich erlebt habe, ist wirklich ein ganz tolles Gefühl.

Ich liebe euch auch <3

Reisen verändert in vielerlei Hinsicht - seelisch, körperlich und geistig. So haben mich sechs Monate in Thailand verändert. Wanderhunger

 

Habt auch ihr Reisen hinter euch, die auch in irgendeiner Art und Weise nachhaltig verändert haben? Oder vielleicht sogar im Gegenteil – findet ihr, dass euch das Reisen gar nicht verändert? Ich freue mich auf eure Meinungen dazu!

3 Comments

  1. Liebe Martina, danke für den Bericht, den ich gerne gelesen habe. Deine Ausführungen zum Thema Gewicht finde ich sehr ehrlich. Mir geht es beim Wandern so ähnlich, wenn ich keinen Spiegel habe. Dann sehe ich keine strubbeligen Haare und so und bin gänzlich zufrieden. Was mich noch interessieren würde: Was war das anstrengendste an deiner Ausbildung? Wie bist du mit körperlichen Herausforderungen umgegangen? Liebe Grüße, Jana

  2. Pingback: Reisen verändert - Ergebnisse der Blogparade

Reply To Jana Cancel Reply