Etwa 25 Jahre. Mindestens. So lange wird es wohl her sein, dass ich Lukas Zettl zum letzten Mal gesehen habe. Auf jeden Fall so lange, dass ich ihn bei der Abendesseneinladung seiner Mutter nicht erkannt habe. In gewisser Hinsicht habe ich ihn auch tatsächlich zum ersten Mal gesehen: braungebrannt und trotz des windigen und kühlen Abends in kurzer Hose, Flipflops und Rudershirt, mit tiefenentspannter Ausstrahlung.

Bald habe ich erfahren: Lukas ist gerade ist von einer langen Reise nach Hause gekommen. Von 9 Monaten in Süd- und Mittelamerika, um genau zu sein. Das hat einfach nach einem Wanderhunger-Interview gerufen!

7 Fragen an Lukas Zettl

Lukas Zettl mit großen Aras, Papageien, in Südamerika. 7 Fragen, Wanderhunger

Lukas, was war die Vorgeschichte zu deiner langen Reise? Wie ist es dazu gekommen, dass du gegangen bist?

Es war schon während meiner Studienzeit so, dass ich immer gerne nach Südamerika wollte. Davor war ich dort noch nie unterwegs. Dieser Reisewunsch ist mir immer wieder untergekommen – gleichzeit habe ich gewusst: Einzelne Staaten in einzelnen Urlauben will ich nicht bereisen. Wenn, dann müsste es die ganze und volle Experience sein.

Direkt nach dem Studium war es finanziell nicht drinnen, eine so lange Reise zu unternehmen. Ein paar Jahre Arbeit mussten also mal sein, bis das Reisebudget zusammengespart war.

Lukas Zettl beim Sightseeing in Südamerika. Wanderhunger, 7 Fragen

Welche Pläne hattest du für den Trip – oder bist du einfach drauflos gefahren?

Ganz ehrlich: recht viel geplant habe ich nicht. Ich bin einfach drauflos gefahren und habe mich und meine Reiseziele von Menschen inspirieren lassen, die ich am Weg getroffen habe. Das ging von Land zu Land so. Man trifft ohnehin ständig neue Leute – in den Hostels, auf verschiedenen Touren, die man unternimmt, im Bus – wo auch immer.  Dazu muss ich auch sagen: Wer in Mittel- und Südamerika unterwegs ist, ist auch auf sehr ähnlichen Routen unterwegs. So kommt man schnell in Kontakt. Es sind eigentlich immer alle sehr aufgeschlossen – typische Backpacker eben. Und so habe ich dank vieler Gespräche immer wieder meine nächsten Reiseziele ins Auge gefasst.

Lukas Zettl mit Freunden bei einer Biketour. Wanderhunger, 7 Fragen

Wie sah deine Route aus?

Die verlief ziemlich kreuz und quer. Angefangen habe ich in Mexiko, in Cancun, wo ich von Europa aus hingeflogen bin. Allerdings habe ich am Vorabend meines Flugs noch mit einem Freund gesprochen, der mir gesagt hat, er sei in 10 Tagen in den USA, und ob ich nicht Lust hätte, auf einen Roadtrip an der Ostküste mitzukommen. Also war ich fünf Tage in Cancun und habe mir noch Playa del Carmen und Tulum angeschaut, bevor ich nach Atlanta geflogen bin. Von dort ging es in Städte wie Orlando, Nashville und Charleston.

Zurück in Mexiko war ich fünf Tage in Mexico City, und weiter ging es nach Peru, denn ich hatte in den USA mit jemandem über dieses Land gesprochen. Das war im September – zu dieser Zeit war in Mittelamerika Regenzeit, also war für mich klar, dass ich mit Südamerika starte. Wettertechnisch war das die ideale Entscheidung.

Also, von Peru ging es nach Bolivien, wieder zurück nach Peru (in Peru habe ich mir wirklich viel angeschaut), Ecuador, Kolumbien. Von Kolumbien bin ich mit dem Schiff über die St. Blas-Islands nach Panama gesegelt. Von da ging es zurück nach Ecuador, wo ich mehr Zeit verbracht habe. Die nächsten Stops waren El Salvador, Honduras, Guatemala, Belize und wieder Mexiko, von wo aus es nach neun Monaten zurück nach Österreich ging.

Lukas Zettl in Cusco, der Inkahauptstadt in Peru. Wanderhunger, 7 Fragen

Was waren deine Top-3 Orte oder Erlebnisse während deiner Reise?

Schwer zu sagen, weil es so viele waren, aber ich werde mich bemühen:

Meine Top-3-Erlebnisse:

Meine Master-Ausbildung im Freediving auf Utila, einer kleinen Karibikinsel, die zu Honduras gehört.

Die Besteigung des Huayana Potosi, eines 6.000-Meter-Bergs in Bolivien. Das war das erste Mal, dass ich auf einen so hohen Berg gestiegen bin. Die Experience rundherum war echt cool: Blitze in der Ferne, die Sterne über uns. Als wir am Gipfel angekommen sind, ist am Horizont die Sonne aufgegangen – das war unglaublich.

Und natürlich das Amazonas-Gebiet, also wirkliches Dschungel-Erlebnis weit abseits der Touristenpfade, wo wir höchstens mal jemanden aus der indigenen Bevölkerung getroffen haben.

Lukas Zettl beim Freediving bzw. Apnoetauchen. Wanderhunger, 7 Fragen

Diesen Walhai hat Lukas Zettl beim Freediving, Apnoetauchen, gesehen. Wanderhunger, 7 Fragen

Und meine Top-3-Orte:

Peru hat mir irrsinnig gut gefallen. Cusco, die frühere Inka-Hauptstadt war sehr eindrucksvoll für mich.

Die Stadt Cuenca in Ecuador, wo ich ungefähr eineinhalb Monate verbracht habe. Das ist nur eine kleine Stadt, viele sagen, sie sei nichts besonderes, aber für mich hat dort einfach alles gepasst.

Und der dritte Ort, hmmm, das war eigentlich Kolumbien, an der Karibikküste. Die ist noch nicht so richtig touristisch erschlossen, wobei schon zu merken ist, dass der Tourismus dort gerade groß wird. Gleich in der Nähe der Stadt Palomino ist der Tayrona Nationalpark, dort gibt es traumhaft schöne Strände: weißer Sand, kaum Menschen. Wahnsinnig schön. Palomino ist eine kleine Stadt, oder eher ein größeres Dorf. Es gibt bereits einige Hostels, die Menschen sind toll, der Vibe ist einfach genial.

Meeresstrand in Kolumbien, Lukas Zettl im Wanderhunger Interview, 7 Fragen

Ein Tempel in Cusco in Peru. Lukas Zettl im Wanderhunger-Interview, 7 Fragen

Hattest du auch negative Erlebnisse oder schlechte Momente?

Ja, tja, meine Kreditkarte ist eine Zeitlang nicht gegangen. *lacht* Aber sonst würde mir nichts einfallen. Ich bin zum Glück nie ausgeraubt worden, hatte keine schlechten Begegnungen – also eigentlich fällt mir kein negatives Erlebnis ein.

Was würdest du anderen Menschen raten, die ebenfalls für längere Zeit durch Süd- und Mittelamerika reisen wollen?

Auf jeden Fall zumindest ein bisschen Spanisch lernen. Nicht nur wegen der Kommunikation an sich, sondern weil einfach kaum Englisch gesprochen wird. Ich habe immer wieder Leute getroffen, die kein Wort Spanisch konnten – es ist mir ein Rätsel, wie die durchgekommen sind. Ich habe in Ecuador einen einwöchigen Spanischkurs gemacht und später dann nochmal vier Wochen lang. Damit bin ich auf A2-Niveau gekommen, das hat gut gepasst. Danach heißt es einfach: „Sprechen, wann immer möglich“, so kommt man schnell in die Sprache rein.

Ansonsten würde ich sagen: den klassischen Hausverstand mitnehmen. „Street Skills“ sozusagen, nicht jeden Blödsinn machen, zwielichtige Ecken vermeiden. Am Ende ist man trotzdem der „Gringo“, wie es so schön heißt, als Europäer sticht man dort einfach heraus. Ganz besonders, wenn man blond ist. *lacht*

Ein lavaspuckender Vulkan in Südamerika. Lukas Zettl im Wanderhunger Interview, 7 Fragen

Was steht für die nächste Zeit auf deiner Reise-Bucketlist?

Europa. In Europa habe ich noch ziemlich wenig bereist. Natürlich war ich schon in vielen Ländern, aber richtig viel gesehen vom eigenen Kontinent hat man deshalb meistens ja doch noch nicht. Es gibt hier einfach viel, was ich noch nicht gesehen habe, aber unbedingt sehen will. Nordeuropa zum Beispiel: Schweden, Finnland, Norwegen, Dänemark. Auch Island, aber das ist gerade der große Hype, also mal sehen.
Außerdem Osteuropa, dort gibt es noch einige Schätze zu entdecken. Ich war schon auf einem Osteuropa-Roadtrip unterwegs, aber da sind wir viel zu schnell durchgefahren.

Was mich außerdem noch irrsinnig reizt: Backpacking in Ostafrika.  Ich habe jemanden getroffen, der von Südafrika über Kenia, Tanzania bis nach Eritrea als Backpacker gereist ist. Wenn ich reise, habe ich gern ein bisschen Abenteuer dabei, und in Südamerika muss man das „echte“ Abenteuer schon oft richtiggehend suchen. In Ostafrika ist das noch etwas anderes, weil nicht soviele Touristen unterwegs sind. Dort wird man kaum einen 08/15-Rollkoffer-Touristen treffen.

Lukas Zettl bei seiner Tour durch Südamerika auf einem stillgelegten Waggon. Wanderhunger, 7 Fragen

 

Vielen Dank Lukas, für das Interview und die tollen Bilder von deiner Reise. Aaaaah, ich merke schon, diese Interviews gehen an meine Nerven. Ich will auch dorthin!! 😉

 

 

 

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