„Wenn ich nur aufhören könnt‘!“. Der Slogan des berühmten Schokokeks‘ trifft bei mir auf alle Facetten der Lust nach Zucker zu. Von Schokolade bis Kekse, von Eis bis Torten, von Konfekt bis Fruchtgummi – Süßes ist bei mir nie ein Problem. Vom Marmeladebrot in der Früh bis zum letzten Riegel am Abend könnte ich eigentlich laufend Süßigkeiten verzehren, gelegentlich unterbrochen von einem Essiggurkerl für die Neutralisation.

Ich bin so satt, ich krieg nicht mal mehr einen Schluck Wasser runter! … Oh! Eine Torte! Ja, da nehme ich gerne ein Stück!“

In letzter Zeit merke ich aber, dass ich mich mit dem Süßen nicht mehr wohlfühle. Bei Fast Food ist es mir ähnlich ergangen: Ich hatte schon oft Luft auf einen Burger mit Pommes, aber kaum hatte ich das gegessen, habe ich mich grauenhaft gefühlt: nicht wirklich gesättigt, aber auch nicht mehr hungrig, und imemr mit diesel Gefühl, dass das komplett unnötig war. In letzter Zeit merke ich das immer öfter bei meinem Zuckerkonsum. Ein Törtchen in Ehren, nach dessen Genuss ich wie eine Grinsekatze auf der Couch lümmle und mich über den Genuss freue? Das ist total in Ordnung. Unnötig ist aber meine zwanghafte Lust auf Süßes nach dem Mittagessen und die Packung Kekse am Abend auf der Couch.

Noch im Frühling habe ich mich übrigens standhaft geweigert, eine Zuckerfrei-Challenge in Betracht zu ziehen. Jetzt merke ich aber: Die Zeit ist reif. Ich werde mich selbst entzuckern.

4 Wochen zuckerfrei – meine Challenge

Die Facts:

  • 4 Wochen: Montag, 16. Juli bis Sonntag, 12. August
  • „Verboten“ sind Zucker, Honig, Schokolade, Kekse, Gummibärchen, Torten, Kuchen
  • „Im Notfall anwendbar“ sind Marmelade und Trockenfrüchte
  • „Erlaubt“ ist Obst in beliebiger Menge
  • Für mich im Rahmen wäre ein „Lost Day“ pro Woche okay, d.h. wenn ich einmal pro Woche in den Zucker zurückfalle, dann ist das kein Drama.

Die wohl größten Herausforderungen:

  • Der süße Heißhunger nach dem Mittagessen, vor allem im Büro
  • Abendliche Fadesse vor dem Fernseher

Schützenhilfe:

  • Freundin Steph macht auch mit
  • Unsere „Selbsthilfegruppe“ auf WhatsApp

Die zuckerfreie Woche 1

Was eigentlich vom ersten Moment an am auffälligsten war: wie schnell ich im Supermarkt völlig unbedacht zu den Süßigkeiten an der Kassa greife – ohne überhaupt wirklichen Guster zu haben. Oder auch ganz ähnlich: Ich komme nach der Arbeit am Welser Bahnhof an und mir schießt automatisch der Gedanke „Ich könnte mir doch noch etwas Süßes von der Bäckerei mitnehmen“ durch den Kopf. Ebenfalls, ohne überhaupt wirklich Lust auf eine Süßspeise zu haben. Es ist erstaunlich, wie automatisiert ich diesbezüglich funktioniere.

Die Gier auf Zucker ist deutlich geringer als ich zu Beginn der Challenge angenommen habe. Am meisten merke ich den „Entzug“ in der Arbeit nach dem Mittagessen, denn da war die Nachspeise richtig gut eingelernt. Oder die Überbrückung des Nachmittagstiefs mit einem Stück Torte – reine Gewohnheit, die sich mit einem Latte Macchiato zum Glück abstellen lässt.

Eine klassische Süßigkeiten-Futter-Zeit ist bei mir abends auf dem Sofa, also eine klassische Langeweile-Ersatzhandlung. Hier tun es tatsächlich auch Karotten, denn es geht nur um die Beschäftigung, nicht um den Zucker an sich. Im Notfall hat es auch mal ein kleines Glas Milch wieder gutgemacht. Und die Verlängerung des abendlichen Hundespaziergangs tut sowohl Rocco als auch mir gut.

Fazit Woche 1:
Bisher alles easy, und das ohne „Cheat Day“. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Woche 1 der Zuckerfrei-Challenge, Chart und Übersicht. Wanderhunger

Die zuckerfreie Woche 2

Am Anfang der Woche habe ich mich gefragt: Hey, wo bleibt hier die Challenge. Es ist so easy. Ich esse nicht mal „Ersatzdrogen“ wie Chips oder nütze meine „Notfallsprodukte“ aus, esse auch nicht mehr als sonst.

Auf jeden Fall war es super easy bis Mittwoch. Mittwoch Abend kam der erste Einbruch, und zwar abends auf dem Sofa. Nach der Arbeit bin ich zu einem Heurigen Abendessen gefahren, soweit so gut. Aber daheim angekommen hat es mich sowas von gelüstet – ich bin um die Drageekeksi in der Küchenkommode herumgekreist wie ein ausgehungerter Geier. Soviel vorweg: Ich habe durchgehalten! Das hat mich allerdings den kalorischen Gegenwert von zwei weiteren Abendessen gekostet, weil ich dafür alles andere gefuttert habe, was ich im Kühlschrank gefunden habe.

Wenn der überschlanke Mann sich eine Torte gönnt vom besten Konditor, und ich nicht darf. No-Sugar-Challenge, Wanderhunger.

Ab Donnerstag ist es wieder viel leichter geworden, und insgesamt fühle ich mich wirklich besser. Das schlechte Gewissen nach dem Konsum von Süßkram ist weggefallen, und ich habe abends auch wieder richtig Hunger, seit es die Naschereien am Nachmittag nicht mehr gibt.

Eine neue Erkenntnis: Ich liebe ja die Süßigkeiten an der Supermarktkassa. Und zwar deshalb, weil ich als Kind dort nichts nehmen durfte, bzw. wenn dann nur nach Bettelei und nur selten. Für mich ist das Kaufen dieser Schokoriegel und Co. also eine Art Befreiungsschlag aus der Kindheit – ich kann und darf sie mir kaufen wann ich will. 😉
Mit meiner No-Sugar-Challenge stelle ich allerdings fest, dass mein Befreiungsschlag alles ist, aber keine Befreiung. Denn erst jetzt merke ich, wie automatisiert ich dort hingreife und mir etwas mitnehmen will. Bounty und Kinder Bueno, here I come. Herzlichen Glückwunsch an die Product Placer der Supermärkte, ihr macht einen tollen Job, und ich bin ein echtes Opfer.

Woche 2 der Zuckerfrei-Challenge, Chart und Übersicht. Wanderhunger

Die zuckerfreie Woche 3

Wenn es um Zucker geht, dann ist die aktuelle Hitzewelle schon etwas Feines. Denn bei Außentemperaturen von 32 Grad und darüber ist meine Lust auf Torten, Cremes und Schokolade kaum vorhanden. Ganz anders verhält es sich da mit Eis. Ich liebe gutes Eis, und eigentlich ist es langsam das Einzige, was man überhaupt essen kann.

Aber gut, was soll’s – dann eben kein normales Speiseeis. Lieber selbstgemachtes Frozen Joghurt mit Früchten: einfach Früchte tiefkühlen und zusammen mit Joghurt pürieren und wieder einfrieren. Erfrischend, zuckerfrei und auch noch gesund!

Am Wochenende der Woche 3 habe ich übrigens 3 Tage Yoga auf der Alm in der Obersteiermark genossen. Unsere Yogalehrerin Malia hat uns auf unsere Betten neben selbstgemachtem Lippenbalsam und einem Visitenkärtchen auch ein Stück Nougatschokolade gelegt. Und hier seht ihr dieses Stückchen Schokolade – mit nach Hause gebracht als echtes Beweisstück meiner neuen Selbstbeherrschung! Derzeit lagert es im Kühlschrank und wartet darauf, dass mein Mann es findet.

Die zuckerfreie Woche 4

Wenn mal die Woche 4 daherkommt, dann ist eh alles easy. Dann ist meine Lust auf Süßes längst der totalen Ignoranz desselbigen gewichen.

Martina, am Beginn der Challenge, völlig ahnungslos

Kundenmeeting im Büro mit Leckereien am Tisch - ich muss verzichten. No-Sugar-Challenge, Wanderhunger

Dass ausgerechnet die letzte Woche mein härtester Kampf wird, hätte ich wirklich nicht gedacht. Also Kampf mag etwas übertrieben sein, ich war nie wirklich in Gefahr, etwas Süßes zu essen. Aber es war hart, sehr hart. Vor allem (wie üblich) abends zu Hause.

Außerdem hatte ich angenommen, dass meine „nach dem Mittagessen“- und „am Abend auf der Couch“-Gelüste in Woche 4 weg sind. Was soll ich dazu sagen außer: Nö, sind sie nicht.
Das hat etwas Mühsames an sich.

Woche 4 der Zuckerfrei-Challenge, Chart und Übersicht. Wanderhunger

Aber es gibt auch gute Neuigkeiten: Gestern war Tag 28, der letzte Tag der Challenge, und ab 12:00 zu Mittag habe ich mir selbst erlaubt, wieder zu naschen. Und ich hatte auch ernsthaft in Planung, die ganze Packung Schokokeksi zu verputzen, die mein Vater in seiner süßen Lade hat.
Interessanterweise konnte ich mich nicht dazu durchringen, diesen Plan auch in die Tat umzusetzen. Also hat die Challenge doch etwas gebracht. Vor 4 Wochen hätte ich die Kekse sofort gefuttert. Aber gestern fand ich’s irgendwie sinnlos. Warum Kekse essen, wenn man nicht mal richtig drauf Lust hat?
YEAH!

Obwohl ich übrigens bis auf zwei oder drei Abende nicht mit Mehr-Essen kompensiert habe, habe ich nicht abgenommen. Vielleicht deshalb, weil ich zeitgleich begonnen habe (gesund) zu frühstücken, und das sind  Mehrkalorien, die man zu sich nimmt. Außerdem sportle ich gerade nicht (zu heiß, zu faul) und meine geliebten Aperol Spritz‘ sind ja bedauernswerter Weise auch nicht gerade diättauglich.
Erkenntnis: Nur weil der Zucker wegfällt, wird der Hintern nicht kleiner.

Wie geht es nun weiter?

Ich mache auf jeden Fall weiter! Allerdings will ich mir zumindest hin und wieder etwas „Sinnvolles“ Süßes gönnen. Also zum Beispiel an einem heißen Tag ein Eis oder ein feines Stück Torte im Kaffeehaus. Weiterhin vermieden werden Zucker zum Frühstück (Briochekipferl), Zuckerhunger nach dem Mittagessen (Kuchen, Torten, Mannerschnitten) und Langeweile-Gelage abends auf der Couch (Drageekeksi).

Habt ihr schon mal eine No-Sugar-Challenge hinter euch gebracht? Wie ist es euch dabei ergangen? Habt ihr sie auch nach ihrem Ende weiter durchgezogen?

 

Update 16.08.2018:
Gestern habeich eine Schachtel Butterkeks mit Vollmilchschokoladenüberzug geöffnet. Ich habe mir vorgenommen, nur zwei davon zu essen und wusste im selben Moment, dass ich das nicht schaffe. Am Tisch habe ich meine zwei Kekse dann mit Genuss gefuttert – und danach wollte ich keines mehr! Echt nicht! Keine Lust drauf! Ich konnte es selbst nicht glauben. Die Challenge bringt also wirklich etwas!!

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