Eine abgeschiedene, romantische Hütte. Nicht überlaufen von Touristen. Nur auf Schusters Rappen zu erreichen. Ausgezeichnetes Essen und reizende Hüttenwirte. Wo es das noch gibt? Auf der Schönwetterhütte im Ennstal.

Purer Genuss im steirischen Ennstal

Vielleicht habt ihr über die Schönwetterhütte auf meinem Blog schon gelesen, und zwar im Blogpost Yoga auf der Alm. Weil es aber so toll war dort, und weil die Hütte und die Wanderung einfach genial sind, möchte ich beidem einen eigenen Bericht widmen.

Anreise

Mit einem Navigationssystem ist die Schönwetterhütte ganz einfach zu finden. Die Adresse „Großsölk 85“ eingeben und den Anweisungen folgen. Großsölk ist eine Bergstraße, über einige Serpentinen geht es steil den Berg hinauf. Ganz bis an’s vom Navi vorgegebene Ziel fährt man aber nicht und parkt das Auto auf einem eindeutig ausgeschilderten Parkplatz. Von hier aus dürfen nur noch die Hüttenbesitzer weiterfahren, für uns Besucher gilt: Rucksack anschnallen und los geht’s.
Die Gehzeit, die hier vom Alpenverein angegeben wurde, ist sehr großzügig berechnet. Flotten Schrittes ist man eine dreiviertel Stunde unterwegs, der Weg ist gut ausgeschildert und nicht zu verfehlen.

Ankunft bei der Schönwetterhütte

Auch wenn die Strecke recht einfach zu gehen ist, ein bisschen schnaufen muss man trotzdem. Umso schöner ist es, auf der Terrasse bei herrlicher Aussicht auf den Dachstein gleich mal alle Viere von sich zu strecken. Die Begrüßung ist fast überraschend herzlich. Bei  den Hüttenbesitzern Heidi und Manfred Brugger und ihrer Familie fühlt man sich sofort wie daheim.

Übernachten? Auf jeden Fall!

Eines ist sicher – die Schönwetterhütte nur auf dem Weg zum Gumpeneck zu besuchen ist fast ein bisschen zu wenig. Eine Übernachtung einzuplanen zahlt sich mehr als aus. So kommt man nicht nur in den Genuss des traumhaften Abendrots bei Sonnenuntergang, sondern kann hier auch einfach mehr entspannte Zeit verbringen.
Das Essen ist ausgezeichnet. Wenn ich an das butterzarte Lamm und den saftigen Schweinsbraten denke, läuft mir schon wieder das Wasser im Munde zusammen. Das Fleisch, der Speck und der Schinken kommen übrigens aus eigener Produktion, denn in der Familie ist ein Handwerks-Metzger. Auch der Steirerkas sollte unbedingt in Form von Kasnocken, Kaspressknödel oder Steirerkrapfen probiert werden, schließlich ist er die typische Spezialität der Gegend.

Zimmer hat die Schönwetterhütte übrigens keine, dafür ein hübsches kleines Lager, das bis zu 16 Personen Platz bietet. Wer nicht zu den Glücklichen gehört, die überall schlafen können, sollte sich also unbedingt Ohropax mitnehmen. Ich konnte leider gar nicht gut schlafen, das lag aber nicht an den Betten, denn gut schlafen ist leider generell nicht so meins, egal wo.
Jeder schlechte Schlaf ist aber sofort vergessen, wenn man in aller Frühe vor die Hütte tritt, die kühle frische Bergluft einatmet und zum Klang der Kuhglocken wieder das schöne Dachsteinpanorama genießt.

Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt. Sieh sie dir an.

Kurt Tocholsky
In der gemütlichen Stube lässt sich das Frühstück genießen.

Wanderung auf das Gumpeneck

Nun gehe ich ja nicht nur wandern, um mir das reichhaltige Abendessen zu verdienen, sondern weil ich es tatsächlich liebe. Schnaufen und schwitzen inklusive. Einen Berg von unten anzusehen mit der Frage im Hinterkopf „Warum tue ich mir das an?“, sich hinaufzuarbeiten und oben am Gipfelkreuz das Panorama zu bewundern und alle Anstrengung vergessen zu haben, gehört mit zum Schönsten überhaupt.

Gumpeneck von der Schönwetterhütte
Aufstieg: ca. 2 bis 2,5 Stunden
Abstieg: ca. 1,5 Stunden
Höhenunterschied: 780 Meter
Profil: Almwege, Steige mit Stufen, steinige Steige. „Rote“ Wanderung

Direkt hinter der Schönwetterhütte beginnt der Anstieg, und es geht wirklich sofort richtig steil die Almflanke hinauf. In etwa 20 bis 25 Minuten erreicht man die Gumpenalm. Hier ist eine Wirtschaftshütte, wo Wasser nachgefüllt werden kann – danach heißt es, mit dem Mitgebrachten auszukommen.

Blick zurück auf die Schönwetterhütte

Nach einem kurzen, etwas gemütlicheren Teilstück gleich wieder: steil und anstrengend über Naturstufen hinauf. So anstrengend es ist, zumindest macht man so wirklich rasch Höhe, auch wenn das vor mir aufragende Gumpeneck so aussieht, als wäre es völlig unbezwingbar.

Aber nun ist wirklich eine Zeitlang gemütliches Wandern angesagt. Bis zum Beginn der Bergflanke geht es in stetigem leichten Auf und Ab dahin. Links unter uns breitet sich die Gumpenalm aus, rechts fällt der Berg steil ab und eröffnet ein herrliches Panorama über die Täler und Berge der Obersteiermark.

Vor mir liegt nun die Flanke des Gumpenecks. Zähne zusammenbeißen ist angesagt, es wird nochmal steil und anstrengend, aber zumindest recht einfach zu gehen. Ganz ohne kurze Verschnaufpausen schaffe ich es nicht, meine Kondition ist leider mager. Dennoch: Der Gipfel ist bald erreicht. Ein 360°-Panorama und herrliche Luft sind die ultimative Belohnung für den  Aufstieg.

Ob man jemals wirklich bereit sein kann, diesen wunderbaren Platz zu verlassen? Nun ja, irgendwann muss es wieder zurückgehen. Nach dem gleichen Abstieg über die Bergflanke wende ich mich nach rechts an der Abzweigung und nehme den Weg über die Gumpenalm, der wirklich sehr gut zu gehen ist. Abwärts marschieren brennt zwar ganz schön in den Oberschenkeln, aber dafür sind wir auch bald wieder zurück auf der Terrasse der Schönwetterhütte, wo die verdiente Belohnung in Form von Getränken und Speisen und einem hausgemachten Zirb’n wartet.

Ein Extra-Ausflug, der es wert ist

In Sichtweite der Schönwetterhütte steht die Hütte der Familie Zefferer, die ihr unbedingt besucht müsst. Nicht nur bietet sie einen noch schöneren Ausblick von ihrer kleinen Terrasse, auf der Gäste bewirtet werden, sondern dort werden Köstlichkeiten aus Almmilch jeden Tag frisch hergestellt. Die Hüttenwirtin produziert aus der in der Früh gemolkenen Milch erfrischende Buttermilch, sahnige Bauernbutter und vor allem den berühmten Steiererkas.
Zugegeben, der ist nicht jedermanns Sache. Ich esse ihn sehr gern, aber schon fertig zubereitet. Nach Hause habe ich ihn mir nicht genommen, dafür schätze ich den guten Geruch in meiner Küche zu sehr. Echte Fans bekommen hier aber das hausgemachte Original. Ansonsten macht man es sich einfach bei einem kühlen Getränk auf der kleinen Terrasse bequem und genießt den Berg, bevor es wieder nach Hause geht.

Übrigens!
Auf der Schönwetterhütte und darüber gibt es so gut wie keinen Telefon- oder Internetempfang.
Frei nach dem Motto „We have no W-LAN. Talk to each other!“

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