Von Hütte zu Hütte in den Dolomiten

Frau steht bei Gipfelkreuz auf Berggipfel

Vor drei Jahren war ich zum ersten Mal in Südtirol auf einem Wanderurlaub. Seither bin ich schockverliebt in den nördlichen Teil Italiens, der einmal zu Österreich gehört hat. Die authentisch freundlichen Südtiroler, die unfassbar schöne Bergwelt, das hervorragende zünftige Essen – und das alles in Kombination mit dem nach Süden stärker werdenden mediterranen Einfluss – alles das ergibt zusammen eine Mischung, die mein Herz im Sturm erobert hat. Seither war ich jedes Jahr mindestens einmal auf einem Urlaub zum Bergwandern dort, manchmal auch zweimal. Eines ist sicher: Ein Teil meines Herzens wird unwiderruflich und für immer Südtirol gehören.

Plakette mit Bezeichnung Dolorama auf einem Holzzaun auf einer Alm

Dieses Jahr habe ich meinen Südtirol-Urlaub aber etwas anders geplant. Statt wieder in einem Appartment zu wohnen und von dort meine Tageswanderungen zu starten, wollte ich auf einem Weitwanderweg von Hütte zu Hütte gehen, und zwar auf dem Dolorama, der von Rodeneck nach Lajen führt.

Konditionell ist diese Art des Wanderurlaubs deutlich anspruchsvoller, denn die Hütten sind im Voraus gebucht, d.h. mal eben spontan einen Tag länger auf einer Hütte zu bleiben um sich auszurasten ist nicht angesagt. Natürlich kann man die Tour individuell planen und die Tagesetappen kürzen, diese Arbeit habe ich mir jedoch erspart, im Vorhinein viel Sport gemacht und auf meine Kraft und Ausdauer gesetzt – in der Hoffnung, dass mich diese nicht im Stich lassen.

Der Dolorama ist eigentlich als 4-tägige Weitwanderung ausgelegt, es gibt jedoch eine 5-tägige Variante, bei der die erste Etappe geteilt wird. So startet man sehr gemütlich in den ersten Tag und kann sich in Ruhe einlaufen – und ich bin heilfroh, dass ich mich für diese Variante entschieden habe. Mehr dazu aber später.

Meine Vorbereitungen für eine 5-tägige Weitwanderung

Die nötigen Vorbereitungen für eine Weitwanderungen umfassen drei Teile – die sportliche Seite, die Planung und das Gepäck. Meine Packliste für diese Tour findet ihr ganz unten in diesem Bericht.

Sportlich gesehen bin ich auf einem dauerhaft gutem Level. Auch über den Winter halte ich mit Muskeltraining und Laufband im Fitnessstudio fit, d.h. eine Grundkondition ist immer da. Ich habe jedoch dennoch versucht, einige Bergwandertouren vor meiner Hüttentour unterzubringen. Auf die Dauer und den Höhenunterschied meiner Dolorama-Touren bin ich dabei nicht gekommen, empfehlen würde ich das aber grundsätzlich schon.
Es gilt: Je besser die Kondition und die Kraft, desto mehr Spaß machen auch mehrtägige Wandertouren.

Der Planungsaufwand meiner Mehrtagestour am Dolorama hat sich in Grenzen gehalten. Vor allem deshalb, weil ich die Standard-Route gegangen bin und deshalb keine rechercheintensiven Änderungen vornehmen musste.
Die wichtigsten Punkte, die man dennoch beachten sollte, sind:

  • Anreise – mit dem Zug oder mit dem Auto? Anreise wann – ist eventuell eine zusätzliche Nächtigung im Tal vor der ersten Etappe vonnöten? Ich bin mit dem Zug angereist und vor Ort mit Öffis unterwegs gewesen und würde das sofort wieder so machen.
  • Wettervorhersage
  • Dauer: Man muss den Dolorama nicht zwangsläufig in seiner vollen Länge gehen. Von jeder Hütte kann man einfach ins nächste Tal absteigen. Wenn ihr also nur drei Tage gehen wollt, ist das gar kein Problem.
  • Hüttenbuchung. Es ist auf jeden Fall ratsam, die Hütten auf einer so vielbegangenen Tour im Voraus zu buchen. Man kann diese entweder früh buchen und dann (die Stornofrist beachtend) die Buchung bei guter Wettervorhersage behalten oder, bei schlechtem Wetter, absagen. Oder ihr wartet die Wettervorhersage ab und bucht dann danach eher kurzfristig. Ich habe die Hütten 10 Tage vorher gebucht, und eine war bereits ausgebucht, deshalb musste ich etwas umplanen (siehe 3./4. Etappe).
  • Ausrüstung: Ist alles vorhanden, was ihr braucht? Wenn ihr zum Beispiel neue Bergschuhe kauft, müsst ihr diese unbedingt vorher eingehen. Niemand will sich auf einer längeren Tour mit schlecht sitzenden Schuhen oder Blasen plagen.

Los geht’s – 5 Tage am Dolorama-Weitwanderweg in den Dolomiten

Ich habe diesen Trip natürlich sportlich gesehen – schließlich lagen viele Höhenmeter und Kilometer vor mir. Dennoch war es aber auch ein Urlaub, also bin ich es entspannt angegangen und bereits am Vortag der ersten Etappe nach Mühlbach angereist. Dort habe ich eine Nacht in einem Hotel verbracht und habe dann vom Bahnhof in Mühlbach den Wanderbus zum Ausgangspunkt der Wanderung genommen.

Spartipp: Achtet bei öffentlicher Anreise bei eurem Hotel darauf, ob es ein Südtirol Guest Pass Betrieb ist. Damit könnt ihr vom Anreise- bis zum Abreisetag kostenlos mit allen Öffis in Südtirol fahren. Wenn ihr ihn euch schon nach der Hotelbuchung vor Anreise zusenden lasst, könnt ihr demnach bereits ab der Grenze kostenlos unterwegs sein und spart euch sofort Geld.

Etappe 1 – vom Parkplatz Zumis zur Kreuzwiesenalm

Distanz: 9 Kilometer | Dauer: 2:15 h | Höhenmeter bergauf: 330 m | Höhenmeter bergab: 140 m

Mit dem ersten Wanderbus 415 des Tages ging es für mich vom Bahnhof in Mühlbach zum Ausgangspunkt Parkplatz Zumis. Das ist wirklich praktisch, bequem und schnell – und im Gegensatz zu den Parkgebühren für den Parkplatz eine sehr günstige Variante. Der Bus macht zahlreiche Höhenmeter auf einer kurvigen Bergstraße – Hut ab vor den Buslenkern!

Eine Frau macht Pause auf einem Felsen in einer Almwiese

Am Parkplatz Zumis gibt es große Infotafeln und Wegweiser. Ihr folgt hier einfach der Hauptwanderroute, und die ist super easy. An diesem ersten Tag stehen nur bequeme Forststraßen auf dem Plan. Obwohl ich mit vielen anderen Leuten aus dem Bus gestiegen bin und natürlich auch einige Autos am Parkplatz ankommen, bin ich sehr schnell alleine unterwegs und spaziere den Schöpfungsweg entlang. In acht Stationen folgt man dabei der biblische Schöpfungsgeschichte. Während mich der religiöse Part davon nicht interessiert, begeistere ich mich sehr für die Umsetzung und die beeindruckenden Skulpturen.

So einfach die heutige Tagesetappe von ihrem Umfang her ist, so wenig fühlt sie sich auch einfach an. Der Grund: Mein Rucksack wiegt geschätzt 12 Kilo und hängt sich enorm an. Er ist eine echte Last und macht das Fortkommen schwer. Tatsächlich macht mich das sehr nervös, denn ich weiß, dass die erste Etappe mehr ein Spaziergang ist als eine Wanderung. Wie wird das also die nächsten Tage sein, wenn wir uns den 1.000 Höhenmetern und 15 Kilometern pro Tag nähern?

Wanderrucksack mit Schlafsack und Wanderstöcken

Ich folge der Forststraße durch den Wald und zwischen Almwiesen hindurch. Die immer beeindruckenden Gipfel der Dolomiten zeichnen sich in der Entfernung ab und ich freue mich sehr darauf, bald mittendrin zu stehen.

Nach etwas mehr als zwei Stunden komme ich bei der Kreuzwiesenalm an. Ich hätte definitiv einen späteren Bus nehmen oder überhaupt erst an diesem Tag anreisen können. Obwohl ich durchaus etwas erschöpft bin von meinem schweren Rucksack, ist die Etappe sehr kurz und ich bin gegen Mittag da.

Die Kreuzwiesenalm ist eine sehr schöne Hütte mit einer großen Wiese davor. Es gibt auch ein (zu meiner Zeit nicht geöffnetes) Saunahaus mit Tauchbecken und einen Kinderspielplatz. Kein Wunder, der Weg hierher ist absolut kinderwagentauglich.
Ich kann noch nicht einchecken und mache es mir deshalb gemütlich. Das war der Plan, schließlich habe ich Urlaub! 😊 Ich gönne mir einen wunderbaren Kaiserschmarren und verpflanze mich dann auf die Sonnenliegen bei der Saunahütte, wo ich mit Blick auf die Bergwelt meinen e-Book Reader auspacke und lese.

Gegen 15:30 beziehe ich meinen Lagerplatz im Nebengebäude. Im Erdgeschoß befinden sich zwei Duschen, über eine steile Treppe geht es hinauf in ein klassisches Hüttenlager. Es ist nicht ausgebucht, und ich bin früh dran, deshalb suche ich mir ein Bett an einer Wand. Steckdosen sind zahlreich vorhanden.

Wie jede Almhütte in den Dolomiten, auf der ich bisher war, ist auch auf der Kreuzwiesenalm das Essen ausgezeichnet. Beim Abendessen ergeben sich die ersten Gespräch mit anderen Wanderern, viele davon machen die gleiche Tour wie ich.
Während der Nacht zieht die vorhergesagte Gewitterfront durch. Im Lager schlafend hat das schon Kraft, und man wird sehr deutlich daran erinnert, dass die Beachtung von Wettervorhersagen im Gebirge entscheidend ist. Die Wetterlage ist generell instabil angesagt für die kommenden Tage, deshalb will ich immer sehr früh aufbrechen, und das kommt meinem Dasein als Frühaufsteherin ohnehin entgegen.
In der Früh stehe ich fertig gepackt um 7:00 im Frühstücksraum. Das Frühstück in Buffetform ist ausgezeichnet und wirklich umfangreich, es hat beinahe Hotelniveau. Käse, Butter und Marmeladen stammen aus der eigenen Produktion und sind so gut!

Gut gestärkt schultere ich also meinen Rucksack und breche als Erste überhaupt von der Hütte auf.

Etappe 2: von der Kreuzwiesenalm zur Maurerberghütte

Distanz: 15,3 Kilometer | Dauer: 4:45 h | Höhenmeter bergauf: 810 m | Höhenmeter bergab: 640 m

Auf in die erste „richtige“ Etappe des Dolorama. Übrigens wären Etappe 1 und 2 zusammengerechnet die „eigentliche“ erste Etappe mit einer Distanz von über 20 Kilometern und 940 Höhenmetern bergauf. Jetzt wisst ihr, warum ich sie geteilt habe.

Und es stellt sich ganz schnell heraus, dass das entspannte Eingehen am Vortag die beste Idee ever war: Heute spüre ich meinen Rucksack nämlich gar nicht mehr. Offenbar habe ich die Kurzwanderung am Vortag einfach zum Akklimatisieren und Gewöhnen gebraucht.

Es geht dahin zunächst noch über Forststraße, dann aber über einen Alm-Wanderweg, der jedoch nie schwieriger wird als der klassische rote Wanderweg. Ich folge den ganzen Tag dem Peitlerkofel, der von der Kreuzwiesenalm noch so weit weg war und jetzt mit jedem Schritt näherkommt.

Bergsee auf der Alm mit Blick ins Gebirge

Eine Pause lege ich am kleinen Glittner See ein. Seit zwei Jahren begeistere ich mich für das winterliche Eisbaden und freue mich daher auf eine erfrischende Abkühlung in einem Bergsee. Sehr kalt ist er jedoch gar nicht, vermutlich, weil er doch recht flach ist. Er ist ein Moorsee, d.h. wer hineingeht muss damit leben können, bis zu den Unterschenkeln im Schlamm zu versinken. Mitten in den See hinein wurde auf eine Plattform eine Sonnenliege gestellt, diese erreicht man nur, indem man in den See geht – ich liebe es! Von dort hat man die perfekte Aussicht auf den beeindruckenden Peitlerkofel.

Ich verbringe etwa eine gute halbe Stunde am Glittner See, und dennoch ziehen keine anderen Menschen an mir vorbei. Herrlich, es fühlt sich an, als würde alles mir gehören. Das frühe Aufstehen zahlt sich wirklich immer aus.

Gegen Ende der Wanderung hin ist man Richtung Maurerberghütte wieder auf einer Forststraße unterwegs. Ein Wegweiser deutet über diese weiter geradeaus in einer Stunde zur Maurerberghütte, ein anderer Wegweiser leitet auf einen Steig steil rechts hinauf. Beide zeigen eine Wegstrecke von einer Stunde an, und ich entscheide für mich die alpine Variante, schließlich bin ich nicht zum Spazierengehen hier.

Nach einer halben Stunde stellt sich heraus, dass ich mich verlesen habe. Der eine Wegweiser hat mit einer Wegstrecke von einer Stunde zur Maurerberghütte gewiesen, der andere jedoch nicht ebenfalls zur Hütte (nur über einen anderen Weg), sondern zum Maurerberg. Als ich das endlich realisiere, ist der Weg zurück genauso weit wie der Weg zum Gipfelkreuz. Der Maurerberg ragt beinahe perfekt konisch vor mir auf, und ich kann von meiner Position aus den langen Weg hinauf genau sehen. Innerlich fluchend mache ich mich auf den Weg. Hätte ich das vorher gecheckt, hätte ich die kurze und bequeme Variante genommen. So aber stehe ich 30 Minuten später vollkommen verschwitzt und außer Atem am beeindruckenden Gipfelkreuz des Maurerbergs, des Col da Lé. Es ist diesig und sieht nach Regen aus, der Ausblick ist daher nicht wirklich toll. Dennoch – wie immer beim Bergwandern ist der Aufstieg zwar mühsam, der Triumph aber umso größer. Also weiter – von hier sind es zur Maurerberghütte nur noch 20 Minuten bergab.

Frau in Bergkluft vor einem Gipfelkreuz

Direkt gegenüber der Maurerberghütte ragt der beeindruckende Peitlerkofel auf und fühlt sich an, als könnte man ihn fast schon anfassen. Morgen werde ich ihn persönlich kennenlernen und ihn umrunden, heute darf ich ihn von gegenüber bewundern.
Die Hütte ist sehr modern, das Lager ist fantastisch. Ich bin wieder die Erste und habe die freie Auswahl an Betten. Im Erdgeschoß gibt es Stockbetten, im ersten Stock stehen Einzelbetten nebeneinander und im Keller ist ein hochmodernes Badezimmer. Das lasse ich mir gerne einreden! Ich beziehe das Stockbett gleich beim Eingang, da es in einem Winkel steht und unter der Treppe viel Platz hat, wo ich mich ausbreiten kann. Dank etwas Glück legt sich auf Niemand später ins Bett über mir, ich habe also richtig Privatsphäre.

Geduscht, sauber und erfrischt setze ich mich mit meinem E-Book-Reader in den Gastraum, bestelle mir ein Stück Buchweizenkuchen (typisch für Südtirol!) und einen Kaffee und genieße den restlichen Nachmittag. Ich komme ins Gespräch mit zwei Alpenüberquerern – einer, der mit dem Mountainbike unterwegs ist und eine junge Frau, die mit ihrem Hund schon von Rosenheim hergewandert ist. Cool!

Auch auf der Maurerberghütte genieße ich ein ausgezeichnetes Abendessen, eine ruhige Nacht und stehe wieder mit gepacktem Rucksack und bereit zum Abmarsch als Erste beim Frühstück.

Etappe 3: von der Maurerberghütte zur Schlüter Hütte

Der Tag bricht klar und sonnig an, und als ich nach dem Frühstück aufbreche, genieße ich nochmal den tollen Blick auf den Peitlerkofel. Das erste Wegstück geht nur bergab, und ich habe im Hinterkopf, wieviele Höhenmeter hinauf ich heute noch machen muss, weiß also, dass alles, was ich gerade runtergehe auch wieder hinauf muss.

Gleich zu Beginn des Wegs treffe ich einen Niederländer, und wir kommen ins Gespräch, weil wir den gleichen Weg gehen. Er ist ebenfalls auf dem Dolorama unterwegs, es ist seine erste echte Bergtour, und eigentlich wollte er mit einem Freund unterwegs sein, der aber last-minute absagen musste. Feiko und ich beschließen, erst mal gemeinsam zu gehen, halten es uns aber offen, uns wieder aufzutrennen. Dazu wird es nicht kommen – wir verstehen uns von den ersten Metern an ausgezeichnet und plaudern ohne Unterbrechung.

Peitlerkofel in Südtirol und sein Felsabbruch am Würzjoch

Am Würzjoch, also unten am Fuße des Peitlerkofels angekommen, erwartet uns ein beeindruckender Anblick: Ein riesiger Abbruch zeigt uns die Urgewalt, die in den Bergen liegt.
Weniger begeistert uns die plötzliche Menge an Menschen rund um uns. Hier ist ein sehr großer Parkplatz, und es kommen viele Tagesausflügler mit Bus und Auto herauf.

Feiko und ich treffen ein holländisches Paar, das auf dem gleichen Weg ist wie wir, und wir kehren erstmal ein und stärken uns im Berghotel Ütia de Börz mit einem Stück Kuchen und einem Kaffee. Wir verstehen uns alle bestens, und als wir weitergehen wissen wir, dass wir, auch wenn Feiko und ich schneller sind, uns auf einer der nächsten Hütten wieder sehen werden.

Man kann den Peitlerkofel auf der westlichen und der östlichen Route umrunden, wir gehen den Weg Richtung Osten. Auch wenn ich die andere Strecke nicht kenne, kann ich das voll empfehlen. Es ist sehr entspannt zu gehen, und schnell fühlt man sich wie die Neun Gefährten aus Herr der Ringe, als sie gemeinsam von Bruchtal aufbrechen.

Aber die Höhenmeter kommen, und es geht richtig steil hinauf aufs Göma Joch. Dort stehen wir nun vor der Südwand des Peitlerkofels und genießen einen unfassbar schönen Ausblick auf die weite Almlandschaft, die sich vor unseren Füßen erstreckt, und die beeindruckenden Gipfel des Puez-Geisler-Nationalparks, die sich dahinter auftun. Wie es so oft in den Dolomiten ist, ist es so schön, dass man jeden Blick wieder nicht fassen kann, obwohl man den gleichen Blick vor 10 Sekunden erst hatte.

Almwiese mit Holzmarterl und Gipfel im Hintergrund


Vom Göma Joch geht es gemütlich über einen fast ebenen Almweg zur urigen Utia Vaciara, wo wir uns mit dieser Top-Aussicht eine Pause mit Jause gönnen.

Der letzte Teil dieser Etappe, von der Utia Vaciara zur Schlüterhütte, hat es nochmal in sich. Es geht richtig steil bergauf, und Feiko und ich hängen nochmal einen Extrarunde dran und steigen auf einen Grashügel neben dem Weg, um dort eine einzigartige Rundumsicht zu genießen.

Die Schlüterhütte begeistert mich sehr und ist meine Lieblingshütte auf dieser Tour. Die Pächter sind total nett, statt einem großen Lager gibt es 6-Bett-Zimmer und die Toiletten haben die beste Aussicht ever! Überhaupt liegt die Hütte wahnsinnig schön, und die Sonnenuntergänge sind einfach der Hammer.
Feiko, ich und das nette holländische Pärchen lassen den Tag mit Aperol Spritz ausklingen. Wir verabschieden uns: Sie müssen alle drei noch weiter zur nächsten Hütte, aber dorthin geht es nur noch bergab. Was für ein fantastischer Tag mit lieben Wandergefährten!

Etappe 4, die bei mir keine Etappe ist, sondern eine Tageswanderung

Die eigentliche Tagesetappe würde von hier aus zur Raschötzhütte führen. Dort habe ich allerdings keinen Schlafplatz mehr bekommen, deshalb endet für mich der eigentliche Dolorama-Weg bei der Schlüterhütte, auf der ich zwei Nächte gebucht habe. Was mich anfangs recht genervt hat, stellt sich als Glücksfall heraus. Ich mache eine Tagestour und habe dafür den Peitlerkofel ins Auge gefasst. Nachdem ich ihn schon umrundet habe, gehe ich heute noch hinauf und kenne ihn damit wirklich von allen Seiten.

Wie immer starte ich sehr früh, ich war schon mit fertig gepacktem Rucksack beim Frühstück und kann direkt danach losmarschieren. Es ist gegen 7:30 Uhr, und ich bin alleine auf weiter Flur unterwegs, als ich die rund 25 Minuten zum Einstieg auf den Peitler zurücklege. Frühes Losgehen ist an warmen Tagen übrigens auch deshalb empfehlenswert, weil der Aufstieg keinen Schatten bietet und sich die Felsen rasch aufwärmen.

Die Wanderung auf den Peitlerkofel ist nicht schwierig, aber steil und ohne Unterbrechung bergauf. Es wird sehr geröllig und felsig, aber es gibt keine ausgesetzten Stellen.

Frau vor einem Gipfelkreuz am Peitlerkofel

Er hat zwei Gipfel – ich peile den niedrigeren an, denn auf den eigentlichen Gipfel führt nur ein Klettersteig, er ist total ausgesetzt, und ich kriege schon Panikattacken, wenn ich nur hinschaue. Den ganzen Weg nach oben treffe ich auf niemanden, und auch das Gipfelkreuz des Kleinen Peitlerkofels habe ich während der halben Stunde, die ich dort verbringe, ganz für mich.
Das Wetter zeigt sich von seiner allerbesten Seite, ich habe einen 360° Ausblick, stehe auf 2.813 m und fühle mich als wäre ich am höchsten Berg der Erde. Es ist wunderbar – die Dolomiten brennen sich wieder einmal ganz tief in mein Herz! ❤

Als ich absteige kommen mir der Reihe nach die Wanderer entgegen. Ein Hoch auf das Frühaufstehertum! Die müssen sich den Gipfel teilen, während ich den Berg ganz alleine für mich hatte.

Gegen Mittag bin ich wieder zurück auf der Schlüterhütte. Ich genieße den Nachmittag mit hausgemachtem Kuchen, Kaffee und meinem e-Book-Reader auf der schönen Terrasse. Nach dem Abendessen steige ich auf den Hügel neben der Hütte, setze mich in die Almwiese und genieße den wunderschönen Sonnenuntergang, der sich über dem Tal ausbreitet.

Etappe 5 – der Abstieg

Sonnenaufgang über den Bergen

Der letzte Tag ist gekommen, ich mag und kann es fast nicht glauben.

Zunächst mal aber steht die Frühaufsteherin wirklich extrafrüh auf – zumindest einmal möchte ich einen Sonnenaufgang erleben. Gesagt, getan. Leider ist er nicht wirklich spektakulär, die morgendliche Frische und die absolute Ruhe sind dennoch herrlich.

Nach dem Frühstück, bei dem ich mich sehr nett mit einer US-amerikanischen Familie unterhalte, breche ich auf. Von hier aus geht es nur noch bergab. Nachdem mir ja eine Etappe fehlt, komme ich nicht in Lajen heraus, sondern am Parkplatz Zanser Alm. Das ist so praktisch hier in den Dolomiten – irgendwo ist immer ein Tal, in das man absteigen kann, und die öffentlichen Verkehrsmittel sind ausgezeichnet.

Auf den letzten Meter kann ich mich nicht sattsehen an den Gipfeln der Furchetta. Auch schon deshalb, weil ich weiß, dass sie mein letzter Blick auf die so beeindruckenden Massive der Dolomiten sind. Für mich steht nur noch die Heimreise an, und ich weiß, dass ich schon in wenigen Stunden wieder im flachen Zentral-Oberösterreich stehe. Hätte ich genug Zeit, würde ich ohne zu zögern von hier aus zum Ausgangspunkt zurückfahren und die gleiche Route sofort nochmal gehen.

Ich steige also in den Wanderbus, der mich zum Bahnhof nach Brixen bringt, von wo ich über Innsbruck mit dem Zug nach Hause fahre.

Es ist völlig klar, dass das einer der schönsten Urlaube meines Lebens war. Und dass ich spätestens nächstes Jahr wieder zurück am Dolorama bin. Noch während ich diese Zeilen schreibe, schiele ich auf meinen Kalender, ob sich nicht doch vielleicht im September noch ein schnelles Wanderwochenende in den Dolomiten ausgeht. Wer einmal hierherkommt und nicht einen Teil seines Herzens für immer hier zurücklasst, kann eigentlich keines besitzen.

Meine Ausrüstung für die Weitwanderung

Ich habe einen 30 + 10 Liter Rucksack, der war etwas knapp, ist sich aber gut ausgegangen. Und das war alles mit:

  • Trinksystem (finde ich SO viel sinnvoller als eine Trinkflasche, weil man damit einfach besser hydriert bleibt)
  • Wanderstöcke
  • Zip-Off-Wanderhose
  • Softshelljacke
  • Sonnenbrille
  • Kappe
  • Hausschuhe für die Hütte
  • Zwei Packtaschen für meine Kleidung, damit alles ordentlich zusammen ist:
    • Eine Tasche mit Unterwäsche (Unterhosen, Sportsocken, drei Sport-BHs)
    • Eine weitere Tasche mit Shirts, für jeden Tag eines, darunter auch ein Langarm-Shirt für den Fall eines kalten Tages, sowie einem Fleecepulli, einer Leggings zwei Paar normalen Socken für die Hütte
  • Ein mittelgroßes Microfaser-Handtuch
  • Badezimmer-Utensilien: eine Seife, die sich für Gesicht und Körper eignet, Miniatur-Shampoo und -Conditioner, Hautcreme, Mascara & Kajal (ja, ich bin eitel), Blasenpflaster, Mini-Bürste und Kamm
  • Sonnenschutz für Gesicht und Körper (hoher Lichtschutzfaktor!)
  • Schlafsack (ich hatte keinen Hüttenschlafsack, sondern einen richtigen Schlafsack, weil ich nicht sicher war, ob mir mit Hüttenschlafsack und Wolldecke nicht zu kalt werden würde)
  • Langer Regenponcho, der auch über den Rucksack geht
  • Ausreichend Bargeld, Bankkarte (man kann fast überall mit Bankomat bezahlen, genügend Bares mitzuhaben ist aber empfehlenswert), AV-Ausweis, Personalausweis, Smartphone, e-Book-Reader, Sportuhr, alle nötigen Ladekabel
  • Energie-Snacks (z.B. Müsliriegel); Tipp: Schaut euch mal bei DM Drogeriemarkt bei den Kindersnacks um. Die sind üblicherweise klein verpackt und eignen sich ideal als Energiekick für eine lange Wanderung. Meine Favoriten sind Pure & Fun Bio Power Häppchen.

Was ich beim nächsten Mal noch zusätzlich mitnehmen würde:

  • Eine kurze Hose für die „Freizeit“, da es sehr warm war an den Nachmittagen in der Sonne und ich nur eine lange schwarze Leggings mithatte
  • Proteinpulver-Portionssackerl. Ich beschäftige mich inzwischen sehr stark damit, was ich esse und dass ich auf meine Makros komme, und esse allgemein praktisch kein Fleisch mehr. Um aber mit meinen Mahlzeiten irgendwie auf etwas Protein zu kommen, musste ich quasi jeden Abend eine Fleischmahlzeit bestellen. Das würde ich in Zukunft nicht mehr tun und mir mit Proteinpulver-Portionen aushelfen. Das ist aber wirklich ganz allein mein eigener Vogel. 😅

Was ich nicht mehr mitnehmen würde:

  • Den unnötigen Hüttenschlafsack, den ich vergessen habe auszupacken, nachdem ich den großen Schlafsack mitgenommen habe. 🙄

Was man theoretisch noch dabei haben sollte:

  • Ein First-Aid-Kit, dazu eine Wundsalbe. Ich habe darauf vertraut, dass mir nichts passiert und dass es ja eh ein vielbegangener Wanderweg ist und ich im Notfall jemanden treffe, der mir helfen kann. Damit habe ich auch ins Schwarze getroffen, aber eigentlich sollte man das schon mithaben.

Literaturtipp

Ich liebe generell die Wanderführer der Rother-Serie, die halte ich für die besten. In diesem Fall kann ich euch den Rother Wanderführer „Hüttentouren Südtirol“ sehr ans Herz legen, der neben dem Dolorama noch weitere leichte Mehrtagestouren vorstellt.

Und jetzt ihr! ❤

Wart ihr schon einmal auf einer mehrtägigen Wanderung unterwegs? Wo wart ihr, und wie hat es euch gefallen?

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